Der Unterschied zwischen Nord und Süd

Natürlich kann man auch im Norden herrlich wandern, doch, doch, da braucht man gar nicht immer die Grenze nach Westfalen groß überqueren. Mit Harz, Teutoburger Wald, Lüneburger Heide und Küste gibt es genügend Möglichkeiten, Landschaft und Kultur zu erleben. Auch auf Steigungen muss man da gar nicht weiter verzichten, wenn man von 0 kommt sind 150m ein kräftiger Anstieg. Die Lüneburger Heide ist erstaunlich hügelig, die Deiche erstaunlich schräg nach fünf Stunden Tour und der Ith ist erstaunlich steil.

Viel erstaunlicher ist aber das, was den Unterschied zum Wandern im Süden ausmacht: die Gastronomie. Beziehungsweise das Fehlen derselben.

Wenn man im Süden Deutschlands wandert gibt es Hütten, Straußwirtschaften, Biergärten, Weinstuben und allerlei andere Formen von Ausflugslokalen. Sie alle haben zwar auch Ruhetage und nicht immer geöffnet, sind aber tendenziell wandererfreundlich. Das heißt, wenn man dem Betreiber begegnet, kommt man oft ins Gespräch und erhält schnell mal ein Bier, einen Kaffee, ein Wasser und auch eine Kleinigkeit zu Essen. Das reicht dann von Suppe bis Brotzeit, ein Paar Würstel sind fast immer drin.

Im Norden hingegen kann man sich auf eine Versorgung durch Gastronomie nicht verlassen. Der Ruhetag wurde verschoben, weil es in der Woche schon einen Feiertag gab, die Wirtschaft wurde aufgegeben oder der Betrieb nur noch auf die Abendzeiten verlagert. Die Tische sind ausgebucht, der Laden ausgebrannt oder es gilt der Klassiker: „Wir öffnen erst in einer halben Stunde.“, direkt gefolgt von „Heute geschlossene Gesellschaft”. All das bekommt man nicht am Telefon mitgeteilt, wenn man sich vorher erkundigt, weil niemand ans Telefon geht, die Öffnungszeiten im Internet stimmen nie, wenn es denn überhaupt Internetseiten zum Restaurant gibt.
Allein die Eisdielen und Dönerimbisse sind da sehr zuverlässig und freundlich. Und die Kneipen, in denen man darüber ins Gespräch kommt, dass man schon als Kind zu Gast war, aber das zählt irgendwie nicht richtig.
An der See ist es etwas besser, die Cafés sind zuverlässig wie angekündigt geschlossen und die Hotels nehmen Gäste nicht unter drei Nächte. Die Jugendherbergen übrigens auch nicht, das ist dann nur gerecht.
(Besser ist es übrigens da, wo die Traditionsbetriebe geschlossen wurden und die Nachfolger Italiener, Kroaten, Serben oder Türken sind.)

Und das, allein das, ist der wahre Unterschied beim Wandern zwischen Nord und Süd.

Eischokolade
Einkehr (Symbolbild)
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