Wandermythen: Stirnleuchte

Wanderer in den Mythen gibt es allerlei und in den Märchen natürlich auch. Doch ob Griechen oder Gebrüder Grimm sind es vor allem Reisende, die per pedes unterwegs sind und vor allem mangels Auto. Heute sind wir meistens aus Spaß auf Schusters Rappen unterwegs, zudem hat sich die Ausrüstung stark weiterentwickelt. Zeit also, einige Überbleibsel der alten Zeit auf die Probe zu stellen.

Es muss wohl bei einem Besuch in einem der einschlägigen Foren gewesen sein, als ich dachte: „Was für ein Unsinn.“

Da fragt eine Person nach Wanderausrüstung für eine kurze Tour im Mittelgebirge bei feinstem Wetter und bekommt eine passende Antwort. Kurz darauf tummeln sich die in Forenkreisen bekannten Obertopcheckerbunnies und verkünden, dass man mit dieser Empfehlung sicher dem Untergang geweiht sei, da war doch neulich erst jemand auf genau diesem Pfad mit genau diesem Mangel fast beinah um’s Leben gekommen. Die beratene Person lenkt darauf ein und kauft den Gegenstand mit dem größten Sicherheitsversprechen. So geschieht es wohl täglich und einer der umstrittenen Gegenstände, die täglich Leben retten ist die Stirnlampe. Doch genug der Ironie.

Die Stirnlampe hat beim Wandern ihre Funktion, vor allem, wenn man zeltet. Vielleicht wandert man bis in die Abendstunden und muss das Zelt im Dunklen aufbauen, vielleicht muss man nachts mal raus und den Weg zur Toilettenanlage finden. Vielleicht nächtigt man auch in einer Hütte und neigt zum regelmäßigen nächtlichen Harndrang. All das sind gute Gründe, eine Stirnlampe einzupacken.

Wenn man nun aber nicht zeltet, sich auf einer Etappentour befindet mit vorgegebener Kilometerzahl; wenn man nicht zu Verlaufen neigt, weil die Beschilderung des Wegs ausgezeichnet ist und im Quartier die Möglichkeit besteht, den Rucksack komplett auszupacken und für den Toilettengang das Licht einzuschalten, dann – ja, braucht man dann wirklich die Stirnleuchte?

Die schlauen Outdoorhandbücher sagen ja, der Forenobertopcheckerbunny auch, bei den Outdoorshopverkäufern riet man mir ab und ich habe bis heute keine Leuchte vermisst. Weder im Winter, als ich bei Dämmerung im Wald kam und mir die Handyleuchte für zwei Kilometer an Abzweigungen Licht spenden musste, noch auf den Hütten, wo es in den Morgenstunden schon wieder hell genug ist, um den Rucksack zu packen oder ich, ebenfalls mit durch die Hand gedämpfte Handyleuchte, ins Bett fand.

„Es sind doch nur 100 Gramm!” (oder so, ich kenne nicht mal die Gewichte von Stirnleuchten), mag man einwenden, aber die kann man getrost sparen. Glauben sie mir, sie werden das Mittelgebirge auch ohne Stirnlampe überleben.

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Wandergymnastik II

Gymnastik, das klingt doch nach Telegym am Morgen im ZDF!

Ist es quasi auch, nur auf Youtube und jederzeit verfügbar. Manchmal reicht eine kurze Trainingszeit, die bekommt man besser im Alltag unter. Frau Fastner hat da einiges im Angebot; auch die Herren dürfen sich da mal angesprochen fühlen. Einmal Bauch, Beine, Po und wenn der Muskelkater wieder weg ist, kann man ab auf die Piste. Hier aber erst mal eine Kurzeinheit:

Schnelle Fitness für Zwischendurch mit Gabi Fastner.

Packlistengedanken 2019

Hier wird grad schon recht viel über Ausrüstung geschrieben, nein?! Wahrscheinlich ist es aber natürlich, dass sich beim Wandern regelmäßig die Ideen zur Packliste ändern, schließlich ist ja keine Tour gleich und in den Alpen benötigt man halt was anderes als im Mittelgebirge, der Winter braucht andere Ausstattung als der Sommer. Diesen Sommer soll es auf den deutschen Teil des E1 gehen, von Flensburg nach Lübeck, da kann man schon mal die Packliste anpassen.

Seit unserem Fernwanderbeginn 2015 wurde die Packliste vor allem durch Weglassen leichter, Neuanschaffungen waren vor allem gewichtsorientiert ausgesucht. Wales brachte die sympathische – und mir entgegenkommende Erkenntnis –, dass man auch Eleganz mit in die Waagschale werden kann. Bei Durchsicht der Fotos für dieses Blog gefiel ich mir selbst nämlich nur selten; Grund genug, daran etwas zu ändern.
2018 brachte daher einige entscheidende Änderungen:

  • Halbschuhe: Ja, schwere Stiefel haben ihre Berechtigung, z. B. wenn man viel Gepäck trägt und zum Umknicken neigt. So, wie ich wander, reichen aber Zustiegsschuhe, auch in den Alpen bis 3000m; mit leichtem Gepäck, stabilen Bändern und außerhalb der Gletscherregionen kommt man mit einfacheren Schuhen klar.
  • Einfacher Rucksack: Mein erster UL-Rucksack war eine Salomon Trail-Running-Weste mit 30L Fassungsvermögen. Ein guter Einstieg, weil ich zu der Zeit vieles im Trail-Running-Bereich gut fand, er sieht aber mit den Flaschen vor der Schulter und dem krummen Rücken etwas komisch aus. Außerdem hatte sich der Inhalt so verkleinert, dass auch ein kleinerer Rucksack reichen muss. Dies ist nun ein Haglöfs L.I.M lite 25, ein einfacher Rucksack mit Deckel. Haglöfs könnte den ruhig mal in einer 15L-Variante anbieten, da wäre ich ein geeigneter Abnehmer.
  • Einfache Regenkleidung: Viele Reißverschlüsse an einer Jacke sind sind toll, aber auch schwer. Für die Hose war der durchgehende Reißverschluss nicht mehr nötig, sie war auch am Knie nicht mehr dicht. Die Regenjacke zog Wasser über die Bündchen, auch das störte mich. Mit einer einfachen Regenhose ohne Reißverschluss am Bein und einer einlagigen Regenjacke konnte das Gewicht deutlich reduziert werden und beide hielten zumindest leichten Regen und einigen Wind ab. So ganz traute ich ihnen aber nicht (s. unten bei 2019).
  • Dezente Farben und schlichte Schnitte: Navy und dunkelgrau; Chinos, Poloshirts und Troyer (aus Kunstfaser). Keine unnützen Reißverschlüsse und Taschen; Classic Sportsware, Sportsfreund (und -in)!
  • Die Renaissance der Baumwolle: Baumwolle ist ja die Todsünde der Trekkingausrüstung. Verständlich, wenn man an Jeans oder Hoodies denkt. Die sind schwer, schlecht mit der Hand zu waschen und brauchen lange zum Trocknen.
    Nach Versuchen mit KuFa- bzw. Merinounterwäsche ging ich zurück auf den Hersteller, von dem auch meine Alltagsunterwäsche ist. Bei Calida weiß ich, dass nichts kneift, kratzt, schlackert oder ausleiert. Neben Baumwolle ist in der Unterwäsche auch ein Kunstfaseranteil; so trocknet sie schnell nach dem Waschen. Der Vorteil ist, dass ich bei Fehlkäufen oder wenn die Wäsche verbraucht wirkt, einfach für die nächste Tour neue kaufe und die alte Ware im Alltag aufbrauche.
    Auch bei Socken habe ich ein Paare aus Bauwolle, z. T. mit Silberfäden, die den Geruch stoppen sollen. Auch dabei bleibe ich bei meinen Lieblingsmarken Falke und Rohner.

Und 2019?

  • Schuhe: Inzwischen trage ich alltags fast nur noch Minimalschuhe, das Frühjahr soll die Entscheidung bringen, ob ich auch zum Wandern auf Barfußschuhe (eigentlich ist Minimalschuhe richtig!) umsteige oder mich nur bis zu Trailrunnern traue. Leichter wird’s so oder so.
  • Regenbekleidung: Der WSV hat noch mal Gewicht aber leider kein Geld gespart. In den Rucksack kommen nun eine Berghaus Hyper 100 Regenjacke (91g) und eine The Omm Halo Regenhose (82g).
  • Baumwolle: Auch hier brachte der WSV Neuigkeiten. Statt Polo gehe ich doch wieder zum Wanderhemd, Bergans (aber auch andere Hersteller) kombinieren Kunstfaser mit leichtem Baumwollanteil, das sieht dann einem Alltagshemd sehr ähnlich.
  • Schal: Eigentlich mag ich keine Schlauchtücher. Die ohne Fleece haben bei mir keinen Effekt, da sie um den Hals zu weit sind, die mit Fleece sind eigentlich immer zu warm. Doof an- und auszuziehen sind sie außerdem. Warum also keinen Schal nehmen? Im Winter trag ich immer welche aus Wolle oder Polyester, im Sommer solche aus Baumwolle oder Leinen. Besser anzuziehen sind sie allemal, vor allem abends, wenn man noch ausgeht.
  • Skinners: Bisher kommen Nomaquito Aquaschuhe als Abendschuhe in den Rucksack, eine Neuentdeckung sind Skinners, Socken mit Laufsohle darunter. Würde noch mal 40g sparen und stelle ich mir praktisch vor.

Wie das alles wirklich aussieht, kann man dann im Herbst 2019 lesen, wenn der erste Abschnitt des E1 gemacht ist.

Eleganter Wandern leicht gemacht

Dieses Jahr steht der Fernwanderweg E1 auf dem Programm und zwar der Abschnitt von Flensburg bis Lübeck. Bei Recherchen stieß ich auf das Blog CoolWalking. Dort gefiel mit besonders, dass die Betreiberin Pia sich mit Wandern in Style beschäftig hat, eine Sache, die auch mir beim Wandern wichtig ist.

Einen ersten Eindruck, mit wie wenig man unterwegs sein kann – und wieviel eleganter das wirkt – bekam ich auf dem Eifelsteig. Ein älterer Herr begegnete uns auf einigen Abschnitten immer wieder; im Gespräch klärte sich, dass er nicht den Gepäckservice nutzte, sondern wirklich alles 25L-Rucksack verstaut hatte. Er war halt erfahrener Wanderer und hatte nur Wechsel-(unter)-Wäsche, Regenkleidung und einen kleinen Kulturbeutel dabei. Wobei die Betonung auf dem Wort Beutel liegt. Das war beeindruckend.

Mit weniger Gepäck auf den Alpenüberquerungen bemerkten wir genau das Gegenteil der Eifel-Erfahrung. Auf den Hütten erlebt man Menschen und ihr Gepäck hautnah und trifft auf die Vollausstattung der Outdoor-Shops, Kultursäcke voller Shampooflaschen, Rasierapparaten und Stylingprodukten; man sieht Menschen auf Laptops Serien gucken, man sieht die vollgehängten Werkzeuggürtel und man sieht Leute, die bei Sprühregen nicht nur Regenhose und -jacke tragen, sondern noch über der Rucksackhülle den Poncho haben und mit einem Schirm hantieren. Klingt übertrieben, nicht wahr?! Aber auch das hat mich beeindruckt, nur in anderer Weise.

Mit noch weniger Gepäck, in Wales, bekam ich einen ersten Eindruck, wie stilvoll man Wandern kann, weil ich Menschen begegnete, die zum Wandern einfach ihre Golfkleidung trugen (was mich gleich zu einer Typisierung von Wandermenschen veranlasste). In schlichter Hose und im Polo, in gedeckten, klassischen Farben und mit großer Freude darüber, dass man endlich seine teure Regenkleidung nutzen könne, haben mich diese Leute sehr beeindruckt.

Offensichtlich ist, wie sehr mich die Sparmöglichkeiten am Gepäck beeindruckt haben; das war die Grundlage mich mit dem Ultralight Trekking zu beschäftigen.
Obwohl UL-Trekker gerne mal schneller wandern, als ich es tue, dabei gerne mal Running-Sachen tragen und vor allem oft naturnäher mit Zelt und Zeug unterwegs sind, ist doch auch für mich Etappen-Wanderer mit Quartieranspruch etwas dabei. Denn generell sind kleinere, leichtere Rucksäcke, schmalere, leichtere Schuhe und schlichter geschnittene Hosen eleganter und nicht nur leichter. Die Kleidung kann schnell viel näher an der Alltagskleidung orientiert werden und ist schnell viel restauranttauglicher. Der größte Lerneffekt vom UL ist aber, dass ich nicht mehr alles glaube, was das allgemeine Outdoorwissen (und vor allem die Outdoorindustrie) so hergibt. Man kann nur in schweren Stiefeln gut wandern, weil sie besser abrollen. Nee, is‘ klar!

Meine persönlichen Konsequenzen in der Packliste sehen so aus:

  • Mit schwindendem Gepäck wurde der große Rucksack sehr leer, der nächste war nicht nur kleiner, sondern auch ohne großartiges Tragesystem. Als dieser zu leer ward, kam ein Rucksack ohne Bauchgurt. Das geht, weil man gar nicht mehr so viel Gewicht auf die Hüfte bringen muss. Auf- und Absetzen geht damit deutlich schneller, man bollert in Läden nicht mehr überall gegen, ich kann es nur empfehlen.
  • Der Golfer, ich erwähnte es ja bereits. Vor allem fand ich Gefallen an Chinos, die es im Golfsport gibt, dazu KuFa-Polos und Zip-Pullover. Schicki! Die Chinos haben innen oft ein Silikonband, das verhindert runterrutschen der Hose am Berg. Außerdem ist sie frei von unnützen Taschen.
  • Gut am Golfsport ist auch, dass man Kleidung in dunkelblau bekommt. Dazu kann man allerlei kombinieren, Grautöne z. B. oder Orange, Rot, Weiß, …
  • Ein großer Gewichtsfaktor beim Kulturbeutel ist oft der Beutel selber, Reisegrößen zu verwenden ist so logisch, dass ich es kaum erwähnen mag. Höchstens noch, dass auch andere Flaschen zur Aufbewahrung von Shampoo und ähnlichem geeignet sind (Reise-Mundwasser hat eine gute Größe, Babycremedosen auch). So reicht oft eine kleine leichte Tasche mit weniger als 1L Inhalt. Es taugen ZipLoc-Beutel genauso, wie meine kleine Giftgrüne (13g) aus dem Outdoorshop. Statt E-Rasierer rasier ich mich nass, mit Rasiercreme. Rasierwasser ist ein großer Luxus, man kann es in kleine Drop-Bottles umfüllen; 10ml reichen für drei Wochen.
  • Früher hatte ich Wandergürtel, dünne Nylonbänder mit Geheimfach, wofür auch immer. Die waren dünn, weil ja die Flossen vom großen Rucksack sonst auftrugen. Jetzt trage ich meinen Alltagsgürtel, der nicht rutscht und richtig sitzt und die Flossen, na, ja, welche Flossen?
  • Keine Botten mehr! Halbschuhe, z. B. Scarpa Mojito hatte ich lange, grad probier ich Minimal- (bzw. Barfuß-)Schuhe aus. Nur im Hochgebirge ist es etwas schwieriger, aber da wandere ich auch nicht.
  • Neu ist die Überlegung, einen Schal statt der Schlauchtücher zu nutzen. Ich bin recht empfindlich am Hals und Verspannungen oder Halskratzen macht Wandern nicht sonderlich angenehm. Buff oder H.A.D. machen zwar nette Sachen, aber die normalen Tücher sind mir ein wenig zu weit, die mit Fleece gefütterten finde ich nicht so variabel wie einen ordinären Schal. Grad im Winter ist er auch besser anzuziehen, wenn man das Quartier noch mal verlässt. Für den Sommer besitze ich eh‘ schon eine Kollektion von Baumwollschals und die werden jetzt endlich mal ordentlich genutzt.

Seit ich diese Dinge beherzige macht mir Wandern noch mehr Spaß und darum geht es ja letztlich. Wer „richtig“ Wandern will, der soll es tun; für alle, die eher ausgedehnte Spaziergänge vor Augen haben, ist vielleicht die ein oder andere Anregung dabei. Cheers!

Ja, das ist der dritte Versuch für diesen Artikel.

Packliste Winterwanderung 2018 Hermannsweg/E1

Och, nach so viel Wanderei in diesem Jahr musste ich ja richtig zurückblättern, was ich wohl letztes Jahr auf dem Störtebekerweg eingepackt hatte. Das war ja schon ganz übersichtlich und so richtig viel verändert hat sich nur der Rucksack. Der Winter hat ja den Vorteil, dass man quasi alles am Körper trägt, so bleibt im Rucksack weiterhin Platz für die (viel zu große und schwere) Thermoskanne. Die gäb’s viel leichter, aber eine Neuanschaffung für eine Nutzung einmal im Jahr?

Neu war hingegen ein wasserdichtes Paar Daunenhandschuhe, eine gute Anschaffung. Alt ist die Regenjacke, der dünnen Gwell vom Sommer wollte ich nicht trauen; die olle Marmot saugt immer noch Wasser über die Bündchen auf und ist irgendwie nicht mehr richtig dicht. Gut, dass WSV allerorten ist.

Am Körper

  • Unterhose und -hemd
  • Lange Unterhose (KuFa) und -hemd (Kufa)
  • Dicke Socken
  • Hose mit Fleecfütterung
  • KuFa-Troyer
  • Fleece-Schlauchtuch
  • KuFa-gefütterte Jacke
  • warme Mütze
  • Skifäustlinge
  • Scarpa Mojito GTX
  • Smartphone in Socke
  • Regenjacke

Technik/Werkzeuge

  • Ladegerät

Wechselwäsche

  • Unterhose
  • Unterhemd
  • Socken
  • KuFa-Chino
  • Baumwollpulli
  • Nomaquito Aqua-Schuhe
  • Langarmshirt(Schlafanzug)

Wind- und Wetterschutz

  • Regenhose
  • Mini-Regenschirm

Bad/Hygiene

  • 1L Packtasche
  • Reisezahnbürste und Ajona halbvoll
  • Zwei-Klingen-Rasiergriff und Klingen (2)
  • Rasiercreme im Reisedöschen
  • Rasierwasser in 10ml-Dripper
  • Shampoo im 40ml-Fläschchen
  • Deo
  • Nagelknipser
  • Pinzette
  • Blasenpflaster und Pflaster
  • persönliche Medikamente

Verpackt wurde all das in einen Haglöfs L.I.M lite 25, den man recht gut komprimieren kann. Das ist gut, sonst bräuchte ich ja schon wieder einen neuen Rucksack! Als Regenschutz gab es wieder einen Müllbeutel als Liner, für die Wasserversorgung gab es eine 0,5L-Pfandflasche und auch das Sitzkissen wurde wieder eingepackt. Schlüssel, Geld und Papiere sind natürlich auch dabei. Das Gewicht liegt dabei irgendwo zwischen zwei und drei Kilo ohne Wasser und Vorräte, im Winter mag ich nicht rechnen.

Aktuellere Packlisten finden sich unter – welch Wunder – der Kategorie Packlisten.

Der Hermannsweg und E1 Winter 2018

Wann: Dezember 2018
Planungsgrundlage: Publicpress Leporello Hermannsweg, Etappen nach Planung auf mapy.cz
Dauer: 4 Tage, 83km
Region: Teutoburger Wald, Deutschland

Gut gefallen haben uns die letzten beiden Winterwanderungen schon, aber der Plan, die gesamte deutsche Küste abzuwandern war dann wegen Wind und Streckenverlauf gar nicht mehr so attraktiv. Außerdem war das Restjahr beruflich hektisch geraten, die Planungszeit fehlte, Weihnachten waren wir eh bei meinen Eltern, also bot sich eine Sicherheitsvariante an: Von meiner Heimat zur Heimat meiner Frau. Dazu wurden wir am Rövekamp in Dissen abgesetzt und konnten mit einer Halbtagestour starten, um dann in drei Etappen nach Lemgo zu gehen. Am Hermannsdenkmal verließen wir dazu den Hermannsweg, der uns zuvor über Borgholzhausen und Oerlinghausen führen sollte. Ab dem Cheruskerfürst folgten wir dem E1, erst nach Detmold, dann weiter nach Lemgo. Dies gefiel uns so gut, dass hier wohl noch mehr vom E1 zu lesen sein wird, denn nun wollen wir den ganzen Teil in Deutschland in Abschnitten gehen, angefangen in Flensburg.

Das Wetter wechselte sich brav ab, zwischen komplett nebligen und komplett sonnigen Tagen, da schwankt dann die Stimmung zwischen mystisch und erfreulich. Wechselnd war auch die Bewirtung, das typische Nord-Süd-Gefälle. Waren wir vor Borgholzhausen noch froh, dass wir im Luisenturm einen Glühwein bekamen (der Turm hat nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet), waren die meisten anderen Gasthöfe in Weihnachtsruhe. Nur der Bienenschmidt hatte geöffnet, war aber vor mittag noch nicht so richtig auf Gäste vorbereitet.
Der Weg ist, wie immer, nett; kurz vor Bielefeld kommt man durch einen Tierpark, man lernt etwas über Wacholderbrennerei, Römer und Cherusker, kann Kunst erleben, ach, das ist schon gar nicht so langweilig, die alte Heimat.

Die besten Erlebnisse:

  • Kurz hinter Borgholzhausen hatten liebe Menschen die Tanne neben einer Hütte dekoriert, in der Hütte brannte eine Adventskerze im Glas.
  • Auf dem Weg nach Oerlinghausen noch mit den alten Wanderfreunden geschrieben, die auf dem Weg von Südtirol in die Heimat waren, noch Hunger hatten und in Oerlinghausen ein gutes Restaurant kannten und zwar die Altdeutschen Bierstuben. Guter Abend, gerne wieder. Den Lieblingshund wiedergetroffen und viel gestreichelt. Die lange Fahrt halt…
  • Lustig auch, wie schnell man städtisch agiert, nur weil man in einer Stadt ist. Sofort wurden wir wählerisch bei der Gastro-Wahl, sowohl in Bielefeld, als auch in Detmold. In Bielefeld ist für den Vormittag übrigens das Café Knigge eine gute Wahl und nah am Weg.

Die besten Quartiere:

  • Keine Ausfälle dieses Mal, aber die Quartiere außerhalb der Städte sind im Winter wohl wenig belegt, dadurch sind die Nebenzimmer eher kühl und das Zimmer selber auch. Anders das Altstadthotel in Detmold, wo man auch gut essen kann.

Das würde ich nächstes Mal anders machen:

  • Passt schon alles so.

Kurz: Gute Wintertour, weil man die Etappen so frei einteilen kann und immer mal wieder in warme Städte kommt. Der Hermannsweg ist auch ein guter Einstieg für Wanderer, alle naselang gibt es Schutzhütten, die im Leporello alle verzeichnet sind.

Hier gibt’s unsere Planung als pdf-Dokument.

Von den Alten lernen: Schuhe

Schuhe. Kaum ein anderes Thema scheint so kompliziert zu sein, wie der Wanderschuhkauf. Vielleicht können Hosen da noch mithalten. Die Auswahl ist riesig, trotzdem sind die Schuhe zu groß, zu klein, zu weit, zu eng, zu kurz, zu lang, zu leicht, zu schwer; sie müssen zur Tour passen; sollen sie eine Nummer größer sein für den Abstieg oder lieber anderthalb Größen, mit Techgewebe oder aus Leder? Und dann die Sohlen, ach, für jede Tour die richtige Sohle bitte. Wer mit Bergschuhen auf dem Camino geht, darf sich nicht wundern, wenn die Sohlen gleich platt sind. Am Ende hat man dann doch Blasen und es geht von vorne los. Haben wir schon über das Rucksackgewicht und die Schafthöhe gesprochen, sie wollen doch nicht umknicken?! Denken Sie aber immer dran, dass sich der Kleber nach sieben Jahren lösen kann, dann können Sie die aktuellsten Versionen ihrer Schuhpaare bitte alle noch einmal kaufen.
Und dann ist man mit seinen handgefertigten Spezialstiefeln auf dem Weg und vorbei zieht die örtliche Wandergruppe, lauter Senioren und sie tragen: Schuhe. Ganz einfache, bequeme Halbschuhe. Und sie sehen gut damit aus, so ohne Klumpen an den Füßen. Plötzlich wird einem bewusst, was das wichtigste an Wanderschuhen ist. Man muss ganz einfach darin lange laufen können und sich mit ihnen wohlfühlen.