Leichte Packliste Grande Traversata delle Alpi GTA im Sommer

Puh, ja, das war dieses Mal schwer, die richtigen Sachen einzupacken. Wie heiß wird es? Für welche Wetterlagen muss man sich vorbereiten? Kühlt es bei Regen so aus, dass es in den Höhenlagen auch schneien kann?
In den nördlichen Alpen wäre für uns eindeutiger gewesen, was in den Rucksack muss.
Vor allem Wasser und Vorräte wogen dieses Mal schwer und brachten den Osprey UL 20 Dry Pack an die Belastungsgrenze. Vielleicht wäre da doch der etwas größere Haglöfs L.I.M Pack besser gewesen, der einfach das bessere Tragesystem hat (aber natürlich auch doppeltes Grundgewicht mitgebracht hätte).
Letztlich war es in den Bergen kühle 25 – 30 Grad Celsius und die Wetterlage stabil. Handschuhe und Mütze hätte es also gar nicht gebraucht; lange Unterhose und Daunenjacke wurden schon im Vorfeld ausgepackt (s. u.). Was übrig blieb war (fast) passend und vor allem der Sonnenschutz wurde sehr wichtig.

In den o. g. Osprey kam dann also:

Wechselwäsche

  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida Merino-Seide T-Shirt 102g
  • Falke-Füßlinge 26g
  • Jackshibo Badeschuhe in Obstbeutel 50g
  • Merino-Shirt (Schlafshirt) Icebreaker 175 148g

Außerdem eine Shorts (225g). Eigentlich wollte ich das mit den zwei Hosen ja umgehen, aber es war halt doch heiß. Da ist Potential für Verbesserung, dazu unten mehr.

Wind- und Wetterschutz

  • TheOmm Halo Regenhose 82g
  • Berghaus Hyper100 Regenjacke 91g
  • ShapingNewTomorrow Merino-Sweater 215g
  • Taschenschirm Doppler 99g
  • Schal Esprit, leichte Baumwolle, 55g
  • Handschuhe Liner Montane 18g
  • Handschuhe Mittens Raidlight 25g
  • Mütze Rab 17g

Ein KuFa Jacke (Haglöfs L.I.M Barrier 194g) blieb draußen, wäre für eine Alpenüberquerung aber gut. Auch eine Kuhnert-Capri (35g) als leichte lange Unterhose blieb draußen. Der Schirm ist neu und bisher sehr gut bei Regen ohne großen Wind.

Bad/Hygiene

  • Packtasche 1L 13g
  • Deo 65g
  • Bio-Shampoo 60g
  • Rasierer mit Klinge(n) 15g
  • Rasierwasser 10ml 13g
  • Zahnbürste 13g
  • Ajona Zahnpasta 22g
  • Nagelschere 13g
  • Pinzette 3g
  • 1. Hilfe, Blasenpflaster und persönliche Medikation

Technik/Werkzeuge

  • Telefon 143g
  • Ladegerät Telefon 37g
  • E-Reader 165g

Kleinkram

  • Portemonnaie Paprcuts 13g (ohne Inhalt)
  • 0,5L PET-Flaschen, Snacks
  • Sonnebrille Decathlon Tribord 31g
  • Geschirrtuch Vileda Microfaser 28g
  • Hüttenschlafsack Seide 116g und Kissenbezug Seide 49g
  • FFP2 Masken (2x) 10g (ca.)
  • Lesebrille Nooz 12g + Hülle 3g
  • Reiseführer (1t)
  • Badehose 77g

Der Reiseführer war natürlich ein Fehler, den hätte man besser im Vorfeld fotografiert. Auch die Dopplung aus Badehose und Shorts ist eigentlich Quatsch. Nächstes Mal packe ich eine Badeshorts mit Taschen ein, die könnte ich dann zum Wandern tragen, zum Baden und auf Hütten auch als Schlafhose.
Außerdem gefallen mir die Brillen von Decathlon nicht mehr, polarisierende Gläser sind super, aber die Decathlon-Brillen drücken mit ihren Bügeln schnell am Ohr bei mir. Nooz stellt auch Sonnenbrillen her, die könnte man ja mal probieren.
Das hat dann zusammen ca. 2,5kg Grundgewicht ergeben (und ein paar hundert Gramm hätte man sparen können), mit 2L Wasser und Vorräten war man dann schnell bei 5kg und mehr.

Am Körper

  • Cross Chino navy 295g (oder die Shorts)
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt Merino-Seide 103g (oft im Rucksack)
  • Ortovox Sneakersocken 37g
  • Merrell Trail Glove 6 372g
  • Patagonia Longsleeve Capilene Cool lightweight 77g
  • SundayAfternoons Bahama-Hut 148g
  • Black Diamond Stöcker 448g

Der Hut war super bei der Sonne, auch die Stöcker sind im Gebirge immer wieder nötig. Die Schuhe waren an der Grenze, leichte Trailrunner oder Zustiegsschuhe mit mehr Grip hätten besser gepasst.

Spannend war dieses Mal, dass zwar, wie so oft, viele Wanderer deutlich mehr dabei hatten, allerdings auch die mit den UL-Rucksäcken. Da hilft das ganze Equipment natürlich nicht, wenn man trotzdem alles doppelt und dreifach einpackt und mit Technik klotzt.
Die/der ein oder andere mit „normalen“ Rucksäcken hatten dann aber auch ähnlich wenig wie wir dabei und sparten damit natürlich gut Gepäck.
So langsam setzt es sich wohl durch, dass wenig Gepäck mehr Spaß auf einer Tour verspricht. Im Nachgang stieß ich dann auf dieses Video vom DAV, die das Prinzip weniger ist mehr gut verdeutlichen (und die alles in einem UL-Rucksack von Vaude verpacken. Ein alter Bekannter, den die liebste Wanderbegleitung manchmal nutzt.).

P.S.: Was ist denn dieser weiße Schnipsel da am Rucksack? Das ist ein Para’kito Mückenschutz-Armband. Funktioniert ganz gut, sah aber nach der Tour sehr gebraucht aus. Merken: kein weißes kaufen!

Alle Packlisten finden sich unter – welch Wunder – der Kategorie Packlisten.

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Die Grande Traversata delle Alpi GTA von Pontebernado nach Ventimiglia

Wann: Juli/August 2022
Planungsgrundlage: Rother Wanderführer „GTA“, GPS-Daten von Outdooractive und Rother, Navigation mit MapsOut, Homepage GTA Piemonte
Dauer: 18 Tage, ca. 240km
Region: Piemont/Ligurien, Italien

Die Grande Traversata delle Alpi, das klingt doch schon so super! Groß, Alpen. Dazu die Genussroute von der immer mal gesprochen wird. Alte Handels- und Schmugglerwege, die Regionen von Risotto und Slow Food, hach, da haben wir lang von geträumt. Dann kam Corona, dann gab es Schwierigkeiten mit der Planung. Wie soll man anreisen, wie abreisen, wie bucht man die Quartiere, wenn alle nur italienisch können? Doch dazu gibt es allerlei Hilfen im Internet und durch nette Kontakte in Foren konnten wir es endlich durchführen. Der Plan war, im südlichen Teil zu wandern, der müsste ja touristisch erschlossener und damit sanfter sein. Nun, dazu später mehr.

Schnell stellten wir fest, dass es nicht die GTA gibt. Das macht schon der Klassiker, der Reiseführer von Werner Bätzing deutlich. Immer kann man mal hier, mal da gehen, noch eine Schleife machen oder etwas abkürzen. Einfacher macht es da der Rother, der aber dann doch unangekündigt von „der“ Route abweicht. Wer hier aufpasst, spart die ein oder andere (oft langweilige) Etappe. Außerdem wurde uns schnell deutlich, dass man immer die neueste Ausgabe des Rother nutzen sollte; manche Wegabschnitte sind gesperrt, manche Quartiere und Versorgungsposten existieren nicht mehr.

Sanfter, weil südlich, das war auf jeden Fall eine Fehleinschätzung. Es war felsig, es gab viele Höhenmeter (1000m am Tag hoch und ähnlich viele runter war durchaus Schnitt), teils war es technisch (Stöcke waren echt gut) und da man immer im Bereich zwischen 1500m und 2500m unterwegs ist, eher hochgebirgig. Erst am Ende des GTA, als man bei Upega auf die Alta Via dei Monti Leguri wechselte wurde es sanfter, aber auch heißer. Denn ja, der GTA führt nicht bis ans Mittelmeer und die letzten Etappen sind dann eine willkommene, aber auch künstliche Verlängerung des Wegs. Nicht umsonst biegen einige nach Nizza ab.

Entgegen unserer Erwartungshaltung gab es unterwegs nur wenig Einkehren und auch nur wenig Einkaufsmöglichkeiten, die Picknicke fielen also gegenüber des Trockenmauerwegs auf Mallorca eher schlicht aus. Abends gab es oft Halbpension, das ist gut, weil man wenig Auswahl hatte; das ist schade, weil es oft ähnliche Essen gab. Und nach drei Tagen Riccotta mit Basilikumsauce als Antipasti…

Die Anreise ist nicht ganz einfach, zwei Tage sollte man schon einplanen und Pontebernado ist da wohl nicht der beste Startort. Wenn man, wie wir, mit dem Auto nach Ventimiglia fährt und dann mit dem Zug zum Startort Pontebernado fahren will, dann darf der Zug aber auch mal gar keine Verspätung haben. Wie wir trotz verpasstem Bus noch ans Ziel kamen steht unter beste Erlebnisse.

Faszinierend ist der Weg trotzdem, vor allem wegen der Naturerlebnisse und wegen der Menschen. Alle sind wahnsinnig freundlich und das macht die Tour zu einem sehr gastlichen Weg. Der Trail ist vor allem bei Deutschen beliebt, was manche Abende einfach macht, aber auch bei Franzosen, die oft Rundtouren planen; man wandert schließlich immer im Grenzgebiet. Englisch hilft nicht immer und wir waren froh über Übersetzungs-Apps – wenn es denn Empfang gab. Entgegen anderer Erfahrungen in Italien ist man hier oft ohne Netz unterwegs, das vermittelt das Gefühl man sei echt hoch in den Bergen.

Die besten Erlebnisse

  • Was war am besten auf dieser Tour? Alles? Nein, Tiere: Der Steinbock mitten auf dem Weg kurz nach dem Pass auf 2600m, die Gämsen später am Abend, die sich bis direkt unters Fenster der Hütte trauten, die Murmeltiere (die übrigens gar keine Murmeln essen); die Steinadler, die fast greifbar über einem kreisten. Wow.
  • Apropos 2700m: Da sieht man dann oben mal so ein Edelweiß und denkt: „Wow, ein Edelweiß!“ und schaut mal kurz nach oben. Na, ja, und dann ist da ein ganzes Feld VOLLER Edelweiß. Da hat sich der im Rother beschriebene Umweg mehr als gelohnt.
  • Und wo wir schon grad oben sind: So ein Gebirgspanorama, wo man sieht, wo man vor zwei Wochen war, ist auch recht beeindruckend.
  • Dann mal wieder: Menschen. Der freundliche italienische Wanderer, der ein Camp für seine Kinder organisierte und uns als Anhalter mitnahm, als kein Bus fuhr; die Franzosen, die uns die heißen Quellen in Bagno di Vinaido empfohlen haben, als wir eigentlich in die (leider geschlossene) Therme wollten; die italienische Geburtstagsgesellschaft auf der Hütte Genova-Figari; die Betreiber des Posto Tappa in Limonetto, die deutschen Mitwanderer, die Abende mit C. Alle toll!
  • Dann müssen wir unbedingt über die Wichtigkeit von Sonnenmilch reden; wenn man sie verliert sollte man sie schnell wiederbesorgen und sie vor allem auch nutzen, sonst hat man einen echt blöden Sonnenbrand und zwar über Tage, aber wer ist außer mir sonst schon so blöd. Und überhaupt: eigene Grenzen. Man wird ja auch nicht jünger und alles machen, nur weil es hoch ist? Ach.
  • Unverhoffte Einkehren erfreuen ja auch das Herz. Ein Kiosk mit französischen Baguettes auf dem Weg zum Rifugio Malivern direkt an der Grenze zu Frankreich; Entracque, das man als Umweg unbedingt einplanen sollte; die Bar in Carnino, die noch mal Kraft für den Weg nach Upega verschafft.
  • Umplanen. Wir können es immer noch! Das Rifugio Alta Via als letzten Stopp gibt es nicht mehr, wir sind dann von der Colla Melosa, wo man empfahl nicht die Gebirgsjägersteige wegen Bergstürzen zu gehen, über Rochetta-Nervine direkt in ein Hotel mit Pool. So kamen wir durch eine idyllische Schlucht und hatten eine spannende Tour, die der original GTA wohl nicht bietet.

Die besten Einkehren

  • Manchmal passt einfach alles. Nach einigen langen Touren hatten wir in Upega ein gemütliches und langes Frühstück (s. u.), eine kurze Wanderung von zwei bis drei Stunden, ohne größere Anstrengung. Gegen Mittag kamen wir in Piaggia an, ein eher schmuckloser Bergort, fanden schnell die Herberge für die Nacht, das dolceMenta, betraten diese und fanden uns in einem vollkommen überfülltem Mini-Restaurant wieder. Schnell stellte sich heraus, dass eine Taufe im Ort statt gefunden hatte und hier wurde gefeiert. Wo auch sonst, es gibt ja keine Alternativen. Obwohl es voll war, obwohl es noch früher Mittag war, obwohl man nur italienisch sprach und das Netz für die Übersetzungs-App mal wieder nicht vorhanden war durften wir schon ins reservierte Zimmer, oben unter dem Dach. Das hätte heiß sein können, wäre nicht ein unglaubliches Gewitter ausgebrochen. So saßen wir trocken, in einem großzügigen und liebevoll ausgestattetem Zimmer mit eigener Badewanne und waren zufrieden. Später kriegten wir Hunger, gingen runter, gratulierten den Taufeltern und bekamen einiges vom Buffet auf’s Zimmer gebracht, nebst zwei Gläsern Prosecco. So ging’s. Den Weg nach Monesi di Triora sparten wir uns aufgrund des Wetters und schauten uns auch nur kurz in Piaggia um.
    Abends dann war es im Restaurant komplett anders, auseinander stehende Tische, mit nur wenigen Gästen besetzt, drei Paare aus dem B&B, ein paar Einheimische. Es gab nur wenige Gerichte zur Auswahl und alle so vorbereitet, dass man Monica direkt beim Kochen und bereiten zuschauen konnte. Ihr Mann bediente und verplauderte sich hier und da; damit war es wohl der italienischste Abend der Tour! Es war jedenfalls deutlich mehr SlowFood-Feeling als in der Osteria della Pace.
  • Auch in Upega war die Locanda d’Upega liebenswert authentisch. Man bekommt, wenn man will Doppelzimmer mit eigenem Bad, abends ein gutes Menu mit Auswahlmöglichkeiten, Caffè und Corni zum Frühstück und Chips zum Apéro. So soll Italien sein.
  • Die Hütte Genova-Figari. Tagsüber mit Tagestouristen gefüllt können Dario und der Rest vom Team abends für grandiose Stimmung sorgen, es hat Zwei-Bett-Zimmer, geschickt geplante Bäder, das ist alles sehr liebevoll. Das schlichte Essen ist sehr lecker und man sieht halt die Gämsen, die mal schauen wollen, was so los ist. Eine Familie feierte oben Kindergeburtstag und auch das war sehr herzlich, vor allem, weil die Kleinen wohl schon um 9 Uhr ins Bett mussten und in der Höhe genügend müde gespielt waren.
  • In St. Anna hat man kaum eine Chance, außerhalb des Posto Tappa zu schlafen, nix mit Kloster und netten Kamenaten. Das Essen findet eher in einer Art Kantine statt, aber hinter der Kirche gibt es noch eine Bar und die kann was! Toast, Prosecco, Caffè, Corni.
  • Colla Melosa: Auch hier ein großer Tagesbetrieb und man die Wahl zwischen Hütte und Hotel. Wer es sich leisten kann, sollte das Hotel wählen, die kochen regional und so hatten wir Ziegeneintopf und Kanninchen-Schmortopf (oder so was ähnliches). Außerdem ist der Wirt lustig.
  • Gut auch die Organisation in Limonetto. Das Hotel Arrucador gibt es nicht mehr, die Betreiber führen nun das Posto Tappa in Limonetto und in ihrem Wohnhaus auch ein elegantes B&B. Abendessen ist in einer Bar vor Ort organisiert, Frühstück gibt es dann für alle im Posto Tappa, anschließend kann man sich gemeinsam im Taxi auf den Berg bringen lassen und so 1-2 Stunden Wanderzeit sparen. Das lohnt sich, denn die anschließende Tour wird lang. Außerdem spricht Anja deutsch, das ist auch mal entspannend. Alternativ kann man aber auch in den Bergen um San Lorenzo schauen, es ist Skigebiet und hat einige Quartiere.
  • Entracque. Ich sagte ja schon, der Umweg lohnt sich. Auf dem Weg dorthin muss man aufpassen, eine Brücke ist nicht mehr existent und schon vorher sollte man den Fluss auf einer neuen Brücke queren. Im Ort gibt es dann nette Bars, ein Eiscafé und einen super Lebensmittelladen, in dem man allerlei Leckereien einkaufen kann. Typischerweise schließen die Alimentari und Bäckereien mittags alle, also erst einkaufen, dann Pause machen.
  • Irgendwie hochgelobt ist die Osteria della Pace in Sambuco, Wiege des SlowFood und so, es war auch ein nettes Quartier und ganz gutes Essen, aber insgesamt hätten wir mehr Originalität erwartet.
  • Gut geschlafen haben wir in Ventimiglia übrigens im B&B La Terrazza in der Altstadt und dort gibt es in der Umgebung auch einiges zu entdecken. Auf allen weiß markierten Flächen kann man übrigens sein Auto parken, blau und gelb sollte man meiden.

Das würde ich das nächste Mal anders machen:

  • Die Tour ab Sambucco führt laut Beschilderung direkt nach Baigni di Vinadio, der Rother führt aber zunächst zum Rifugio Migliorero und dann runter nach Strepeis. Außerdem empfiehlt er Rother auch noch den Höhenweg zum Refugio. Das fanden wir auf mehrere Arten unnötig. Der Höhenweg ist sehr kräftezehrend und endet in einem Klettersteig, das ist nicht für alle etwas und ich wünsche mir echt mal, dass die Rother-Autoren deutlicher drauf hinweisen, wann man die Grenze von Wandern zum Bergsteigen überschreitet, das ging schon beim Kaunergrat nicht gut. Wir sind dann nach der anstrengenden Tour nicht über den Passo di Laroussa nach Strepeis gelaufen (wo wir auch kein Quartier gefunden hatten), sondern direkt nach Bagni di Vinadio gegangen und das führt lange über Zuwege und Straße. Die Hütte liegt zwar beeindruckend, aber ist nur was für echte Hüttenfans, so richtig toll war es dort nicht. Also, demnächst eine Etappe sparen und direkt nach Bagni, da gibt es heiße Quellen und Bars!
  • Ebenfalls sparen könnte man sich Piaggia, auch wenn das dolceMente noch so schön war. Man geht über eine Stunde runter, um den gleichen Weg am nächsten Tag wieder hochzugehen und könnte eine direkte Route zur Colla Melosa nehmen.
  • In Terme di Valdieri heißt das Hotel dann Royal und hat dementsprechende Preise, aber für uns gab es nur ein kleines, enges Bad und ein Zimmer auf Jugendherbergsniveau. Vom Abendessen wollen wir mal nicht reden, angeblich kann man in Italien nicht schlecht essen, hier wurde das Gegenteil bewiesen. Einen Apéro hatten wir im Casa Savoia, dort konnte man auch schlafen und das, was das Team zum Abendessen hatte sah sehr gut aus.
  • Auf dem Weg dahin kommt man am Refugio Valasco vorbei, das bestimmt einen Preis für originelle Architektur verdient hat, aber das Essen ging nur so.
  • Das Rifugion Passo Gouta hat zwar eine nette Wirtin und ganz schlecht ist das Essen nicht und sie kann auch nichts dafür, dass sie uns mit drei Extremschnarchern in ein Zimmer gepackt hat, aber och, da war die Berglust auch schon etwas vorbei.
  • Ich möchte auch keine Quartiere mit Hockklos mehr.
  • Insgesamt sollen die Etappen im mittleren Teil, so 12-40 im Rother wohl die besseren sein.

Kurz: Es ist eine gute Bergtour. Aber gehen wir die GTA weiter? Hm, irgendwie gibt es wohl einen GTA-Spirit und der hat uns nicht so gepackt. Mitwanderer C. berichtete begeistert von einem Weg entlang der Küste, von Genua nach La Spezzia, vielleicht doch eher sowas…

Hier gibt’s unsere Planungsliste als Download und hier eine Packliste.

Wandermythen III: Erste Hilfe

Also, vorweg: Wer sich alleine, in unwegsamer Gegend, ohne Mobilfunk und fernab der Zivilisation bewegt, für den oder die ist das hier nix. Nehmen Sie gefälligst alles an Erste-Hilfe mit, was so empfohlen wird.
Das hier bezieht sich auf Premiumwanderwege, E5-Alpenüberquerungen, Küstenwege, Jakobswege und ähnliches, was sich immer in Nähe einer Örtlichkeit befindet, mit der Möglichkeit einen Rettungsdienst zu rufen. Also, immer dann, wenn nicht Ihre Chirurgie-Kenntnisse gefragt sind.

Ich weiß auch, das der Outdoor-Shop ihres Vertrauens oder die Reiseführer etwas ganz anderes empfehlen, aber entweder wollen sie ja auch etwas verkaufen oder ihre rechtliche Sicherheit gewährleisten. Also. Außerdem ist das hier nur meine Meinung, Sie dürfen da ruhig Ihre haben.

Liest man die gängigen Wanderführer, Blogs und Foren wird schnell klar, dass man eine Tageswanderung ohne richtiges Erste-Hilfe-Set nicht überleben kann. Es könnte ja… alles passieren und wenn man dann nicht schnell eine Schere hat, mit der man die schweren Wanderstiefel aufschneiden kann, um dann die Wiederbelebungsversuche mit dem integrierten Defibrillator durchzuführen… na, das ist natürlich Unsinn, wie so vieles, was „man halt so macht, wenn man wandert“.

Wenn man sich mal so ein fertiges Erste-Hilfe-Pack anguckt, fällt zuerst die prägnante rote Tasche auf, in die es häufig eingepackt ist. Im besten Fall ist diese wasserdicht, das ist aber selten. Drin sind dann Pflaster, Mullbinden/Kompressen, eine Schere, eine Pinzette, Handschuhe und eine Rettungsdecke, manchmal noch eine Signalpfeife, selten mehr. Zeckenzangen, Blasenpflaster, Masken sind oft nicht dabei, Platz für persönliche Medikation ist auch nicht. Und da geht’s schon los.

Eine Schere ist bei mir redundant, da ich häufig eine Nagelschere oder ein Taschenmesser dabei habe, gleiches gilt für die Pinzette. Pflaster finde ich ganz gut, passen aber noch in den Kulturbeutel. Wenn es so wild wird, dass ich Kompressen oder Mullbinden brauche, ist die Wanderung wahrscheinlich eh gelaufen und ich nähme einen Schal oder ein anderes geeignetes Kleidungsstück zum abbinden. Gleiches gilt für die Rettungsdecke, warme Sachen sind ja dabei. Am Brustgurt ist die Pfeife im Verschluss integriert. Handschuhe brauche ich bei mir und der liebsten Wanderbegleitung nicht, bei Fremden müsste man mal sehen, ob man ihnen überhaupt helfen kann oder nicht lieber gleich den Rettungsdienst ruft.

Habe ich also ein Erste-Hilfe-Set dabei? Nein, natürlich nicht. Diese 160-350g, die diese Packs wiegen spare ich mir, habe Pflaster und ein paar Ibu dabei und habe einige Touren (ja, mit blöden Stürzen und Aua) überlebt. Gott sei dank, war es nie so schlimm, dass wir auf einen Rettungsdienst angewiesen waren und ich brauch das auch nicht.

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man das deutsche Mittelgebirge auch so überlebt.

E1 Soltau nach Unterlüß über Müden/Örtze

Wann: Juli 2022
Planungsgrundlage: GPS-Daten erstellt auf outdooractive.de, Navigation mit MapsOut
Dauer: 2 Tage, ca. 45km
Region: Heide, Deutschland

Ja.com, Sommerwanderung in den Alpen vorbereiten, da kann man doch mal den Heidschnuckenweg fortsetzen und ein wenig E1 vervollständigen.

1. Tag Soltau – Müden/Örtze

Es ist Sommer, es ist in der Nähe und Müden wollten wir eh schon immer sehen. Also flugs das Auto geparkt und mit dem 9-Euro-Ticket nach Soltau und los durch die Soltauer Innenstadt. Es war Markt, damit war die Innenstadt nett belebt. Schnell kommt man an einen kleinen Bach, der auf die Felder führt, immer unter Bäumen, was im Hochsommer doch recht praktisch war. Wir folgen eher dem E1 als dem Heidschnuckenweg, das ist kürzer, aber der Wechsel aus sandigen Wald-, Feld- und Wiesenwegen und Heidelandschaften wird sich wohl nur in der Länge unterscheiden. Eis und Kaffee in Wietzendorf und kurz bevor es langweilig wird auf den Asphaltwegen, ist man auf dem Wietzer Berg mit dem Lönsstein. Das gibt Kraft, aber auch das Heidjer Pils am Parkplatz hilft, sich für die letzten Kilometer zu motivieren.

Müden hat Jubiläumsjahr und es ist ein Chorkonzert, das wir aber verpassen, weil wir ja noch Essen müssen und dann ins schöne Hotel.

2. Tag Müden – Unterlüß

Ausgeschlafen zeigt sich Müden in voller Schönheit. Wir hätten vielleicht doch nicht über die Straße abkürzen sollen! Ein Tierpark, ein Dorfkern mit schönen Hotels und Cafés, das Flüsschen Örtze, das ist alles sehr idyllisch. Der Weg ist wunderbar, hinter der Jugendherberge ein toller Sandstrand am Flüsschen, dann weiter über Wald und Wiese und immer die Sandwege. Lieber möchte man nach Hermannsburg und diese schönen Wege nicht verlassen, aber wir müssen nach Hause und zu einem Bahnhof, in diesem Fall Unterlüß und das heißt Radweg neben der Straße. Na, ja, es soll ja auch nur eine Trainingswanderung sein.

Kurz: Müden ist wirklich schön und die Gegend drum herum auch, kurz drauf haben wir auch eine Heidschnuckenschleife um Müden gemacht. Aber eigentlich sollte man mehr Tage am Stück wandern!

Sandplatz hinter der Jugendherberge Müden/Örtze
Müden Beach

Auf dem E1 von Mellendorf nach Springe

Wann: Pfingsten 2022
Planungsgrundlage: GPS-Daten erstellt auf outdooractive.de, Navigation mit MapsOut
Dauer: 4 Tage, ca. 90km
Region: Wedemark/Deister, Deutschland

1. Tag Mellendorf – Hotel Perl

Yeah, erst mal volle Pulle das 9 Euro Ticket nutzen und mit dem noch nicht völlig überfüllten Zug nach Mellendorf. Vorher aber schnell mit dem Auto zum Zielpunkt, denn dort kann man es gut für ein paar Tage am Bahnhof abstellen. Mellendorf ist ein zwiespältiger Ort, direkt am Bahnhof ist ein sehr guter Bäcker, der das früh ausgefallene Frühstück mehr als wett machte, direkt gegenüber ist aber das Supermarkt-Parkplatzparadies. Dann ging’s durch den erstaunlich netten Ort – wir sind in der Wedemark, Hannovers Speckgürtel, in dem sich einige Prominente tummeln, das erklärt die eher hochwertigen Geschäfte und die Architektur der Neubauten – auf den E1, dem wir für vier Tage folgen wollten. Es sind die Wege, wie sie im Norden von Hannover zu finden sind, noch etwas von der Heide und doch schon etwas Moor. Mit Rehen und Pferden ist es ein toller Weg. Kurzer Schnack mit einem Herren im Geländewagen, der wissen wollte, ob wir den E1 wandern. Ja, super, findet er gut, ach was, den Norden schon durch! Es war wohl der Wegwart, was?! Nach kurzweiliger und abwechslungsreicher Strecke im Hotel Perl gelandet, einem dieser Landgasthöfe, die morgens schnell einen runden Geburtstag ausrichten, nachmittags eine Kaffeegesellschaft und abends schnell noch ein, zwei Hochzeiten ausrichten und all das auf hohem Level. Toller Laden, gerne wieder.

Weiter nach Steinhude, das ist erst Mal alles sehr idyllisch. Auch hier wieder die Wegqualität aus sandigen Waldwegen, Feldern und moorigen Wiesen, man kreuzt die Leine. Gute Einkehr in Poggenhagen im Landgasthaus Meyer bei leichter Brise. Ab dort könnte man auch den Bus nehmen, da hat Pia von coolwalking.de recht, Straße und noch mehr Straße führt vorbei am Militärflugplatz ins knallvolle (9 Euro Ticket) und leider leicht regnerische Steinhude. Das Hotel Hafenmeisterei direkt am Meer ist gut, aber ohne Balkon, dafür mit super Abendessen, bestehend aus Tapas und guten Weinen. Leider immer noch Regen, schade, wenn man schon am Meer ist.

2. Tag Hotel Perl- Steinhude

3. Tag Steinhude – Bad Nenndorf

Gutes Wetter, gute Laune, direkt am Meer geht es los. Ein anderer Wanderer kommt in Sicht, etwas ein E1-Thruhiker? Nein, er biegt später ab. Schöne Tour zumindest bis Idensen, ein Schlösschen, ein Kaliberg. In Idensen dann eine gute Rast an der Sigwards-Kirche mit Blick auf Störche und Turmfalken (?). Noch schnell am Mittellandkanal lang und kurz nach Haste den Weg ohne Dornenbüsche und Spinnennetze gewählt (da hat wohl der Wegwart länger nichts getan). Kurz vor Bad Nenndorf wird es zäh; Nenndorf einer dieser toten Kurorte, die ihre Hochzeit in den 70er oder 80ern hatten und seitdem um’s Überleben kämpfen. Wir finden ein nettes Restaurant, dass aber schon um 20 Uhr schließt. Macht nichts, ist eh nichts mehr los außer dem Jungvolk, dass seine Autos lautstark spazieren fährt.

4. Tag Bad Nenndorf- Springe

Der vierte Tag ist dem Deister gewidmet und bieten diesen, wie wir ihn nicht mögen: Grade und langweilig und ohne Aussicht vom Kammweg. Das ging kurz nach Bad Nenndorf aber noch anders los. Zwei Kolleginnen getroffen (wir sind ja quasi zuhause). und dank deren Tipp hinter dem Nordmannsturm zum Waldrand nach unten abgebogen, da war’s dann gleich deutlich netter. Am Nordmannsturm liegt ein alter E1-Planer aus den 90ern: Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon kommt man in Springe an und dort steht ja schon das Auto.