Elegant Wandern

Muss es denn immer Khaki sein? Natürlich nicht! Schon jetzt gibt es allerlei Wandertypen in allerlei Farben, ich schrieb ja bereits darüber. Aber elegant, chic und ultralight Wandern, das passt doch nicht!? Doch, natürlich, denn schließlich reden wir ja weiterhin über eine Sportart und die entsprechende Sportbekleidung. Unsere Alltagskleidung entspringt schon weitestgehend der Sport- und Arbeitskleidung. T-Shirts, Jeans, Chinos, Poloshirts, Hoodies und Sneaker sind aus dem Grund erfunden worden, praktisch zu sein und sich darin gut bewegen zu können, die Trekkingbekleidung ist da nur eine Fortsetzung mit anderen Stoffen. Der Maßanzug und die rahmengenähten Schuhe können also im Louis-Vuitton-Schrankkoffer bleiben.

Natürlich ist Stil eine Persönlichkeitsfrage, nicht jeder findet das Gleiche schick und außerdem bietet sich nicht jede Form von Wandern dafür an, elegante Kleidung in den Vordergrund zu stellen. Ich denke da z. B. an Thru-Hikes von 3000km-Trails oder Bushcraft-Abenteuer. Für alle aber, die Etappen-Wanderungen machen und ihre Touren auf 2-3 Wochen beschränken ist es ein leichtes stilvoll unterwegs zu sein. Ein Leichtes. Whatever.

Man kann in den Quartieren, Hotels, Gasthäusern oder Jugendherbergen regelmäßig duschen, man kann seine Kleidung waschen und man kann gemütlich im Restaurant sitzen. Das heißt für die Packliste, dass einiges zu Hause bleiben kann (wie hier beschrieben) und man so mit kleinerem Rucksack und leichteren Schuhen unterwegs ist. Der kleinere Rucksack ist dann oft auch gleich ästhetischer als ein großer; natürlich macht der leichtere Schuh den schlankeren Fuß. Auch schlichtere Kleidung mit weniger Zusatztaschen und Reißverschlüssen ist leichter und oft einfach schicker. Hier nähern sich Wanderchic und Ultralight sehr an, auch wenn viele UL-Hiker ihre Kleiderwahl mit T-Shirts, Shorts oder Leggings an den Running-Bereich anlehnt.

  • Weglassen ist ja der erste Schritt zum leichten Wandern, als Wandergentlepeople kommt uns das natürlich entgegen, denn wer will schon pompös ausgestattet herumlaufen. Machen wir im Alltag ja auch nicht, also weg mit unnützem Tand.
  • Ein entscheidender Schritt für mich war es, die Tagesbekleidung an meine Alltagskleidung anzupassen, die aus Chinos, Hemden und Pullis besteht. In Wales bin ich Leuten begegnet, die einfach ihre Golfkleidung trugen und auch die ist ja aus Funktionsmaterial. Es gibt im Golfsport einige Anbieter für Chinos und Polos aus Polyester und Pullis aus Merino-Kunstfasermix. Unkarierte Hemden gibt es als Baumwoll-Polyestermix bei Globetrotter oder seit einiger Zeit komplett aus Kunstfaser von Craighoppers. Entscheidend ist aber auch die Farbwahl, es ist schwer im Outdoor-Shop an Matschfarben vorbeizukommen, andere Sportbereiche bieten da mehr Varianz. Bei CoolWalking kann man da mehr zu lesen.
  • Regenkleidung ist ja auch so ein leidiges Thema. Für schwere Rucksäcke braucht man extra verstärkte Jacken, für schwere Stiefel Hosen, die man weit öffnen kann. Das geht bei entsprechend leichter Ausrüstung schlichter, günstiger und dezenter. Ein großer französischer Hersteller bietet Jacken in Navy an, der Fahrradbereich bietet Sets in weiß oder hellblau an, der Runningbereich ist auch etwas schlichter und dezenter – oder man nimmt ganz klassisch den Schirm.
  • Jetzt wird’s etwas altherrlich: Ein Gentleman rasiert sich nass. Mit Rasiercreme oder -seife und einem Rasierer mit wenigen Klingen. Das Rasierwasser kann man sich gut in kleine Plastikfläschchen umfüllen, 10ml reichen da für zwei Wochen.
  • Seit neuestem denke ich über Schals nach, aus Baumwolle. Deutlich leichter als Schlauchtücher und recht elegant, nein?!
  • Taschentücher. Nehmen sie Taschentücher aus Stoff! Multifunktional, elegant, etwas für Gentlepeople.
  • Sie brauchen eine klassische Sonnenbrille, nicht so ein Alpinzeugs. Sie erblinden schon nicht in der Lüneburger Heide.
  • Bleiben Sie einfach mal sitzen und genießen Sie die Umgebung. Vielleicht bei einem Glas Wein im Seecafé? Warum? Weil Eleganz letztlich eine Haltung ist, egal, was Sie anziehen. Cheers!
Advertisements

Packliste Winterwanderung 2018 Hermannsweg/E1

Och, nach so viel Wanderei in diesem Jahr musste ich ja richtig zurückblättern, was ich wohl letztes Jahr auf dem Störtebekerweg eingepackt hatte. Das war ja schon ganz übersichtlich und so richtig viel verändert hat sich nur der Rucksack. Der Winter hat ja den Vorteil, dass man quasi alles am Körper trägt, so bleibt im Rucksack weiterhin Platz für die (viel zu große und schwere) Thermoskanne. Die gäb’s viel leichter, aber eine Neuanschaffung für eine Nutzung einmal im Jahr?

Neu war hingegen ein wasserdichtes Paar Daunenhandschuhe, eine gute Anschaffung. Alt ist die Regenjacke, der dünnen Gwell vom Sommer wollte ich nicht trauen; die olle Marmot saugt immer noch Wasser über die Bündchen auf und ist irgendwie nicht mehr richtig dicht. Gut, dass WSV allerorten ist.

Am Körper

  • Unterhose und -hemd
  • Lange Unterhose (KuFa) und -hemd (Kufa)
  • Dicke Socken
  • Hose mit Fleecfütterung
  • KuFa-Troyer
  • Fleece-Schlauchtuch
  • KuFa-gefütterte Jacke
  • warme Mütze
  • Skifäustlinge
  • Scarpa Mojito GTX
  • Smartphone in Socke
  • Regenjacke

Technik/Werkzeuge

  • Ladegerät

Wechselwäsche

  • Unterhose
  • Unterhemd
  • Socken
  • KuFa-Chino
  • Baumwollpulli
  • Nomaquito Aqua-Schuhe
  • Langarmshirt(Schlafanzug)

Wind- und Wetterschutz

  • Regenhose
  • Mini-Regenschirm

Bad/Hygiene

  • 1L Packtasche
  • Reisezahnbürste und Ajona halbvoll
  • Zwei-Klingen-Rasiergriff und Klingen (2)
  • Rasiercreme im Reisedöschen
  • Rasierwasser in 10ml-Dripper
  • Shampoo im 40ml-Fläschchen
  • Deo
  • Nagelknipser
  • Pinzette
  • Blasenpflaster und Pflaster
  • persönliche Medikamente

Verpackt wurde all das in einen Haglöfs L.I.M lite 25, den man recht gut komprimieren kann. Das ist gut, sonst bräuchte ich ja schon wieder einen neuen Rucksack! Als Regenschutz gab es wieder einen Müllbeutel als Liner, für die Wasserversorgung gab es eine 0,5L-Pfandflasche und auch das Sitzkissen wurde wieder eingepackt. Schlüssel, Geld und Papiere sind natürlich auch dabei. Das Gewicht liegt dabei irgendwo zwischen zwei und drei Kilo ohne Wasser und Vorräte, im Winter mag ich nicht rechnen.

Aktuellere Packlisten finden sich unter – welch Wunder – der Kategorie Packlisten.

Ein Wanderer im Wald
„Bepackt“

Der Hermannsweg und E1 Winter 2018

Wann: Dezember 2018
Planungsgrundlage: Publicpress Leporello Hermannsweg, Etappen nach Planung auf mapy.cz
Dauer: 4 Tage, 83km
Region: Teutoburger Wald, Deutschland

Gut gefallen haben uns die letzten beiden Winterwanderungen schon, aber der Plan, die gesamte deutsche Küste abzuwandern war dann wegen Wind und Streckenverlauf gar nicht mehr so attraktiv. Außerdem war das Restjahr beruflich hektisch geraten, die Planungszeit fehlte, Weihnachten waren wir eh bei meinen Eltern, also bot sich eine Sicherheitsvariante an: Von meiner Heimat zur Heimat meiner Frau. Dazu wurden wir am Rövekamp in Dissen abgesetzt und konnten mit einer Halbtagestour starten, um dann in drei Etappen nach Lemgo zu gehen. Am Hermannsdenkmal verließen wir dazu den Hermannsweg, der uns zuvor über Borgholzhausen und Oerlinghausen führen sollte. Ab dem Cheruskerfürst folgten wir dem E1, erst nach Detmold, dann weiter nach Lemgo. Dies gefiel uns so gut, dass hier wohl noch mehr vom E1 zu lesen sein wird, denn nun wollen wir den ganzen Teil in Deutschland in Abschnitten gehen, angefangen in Flensburg.

Das Wetter wechselte sich brav ab, zwischen komplett nebligen und komplett sonnigen Tagen, da schwankt dann die Stimmung zwischen mystisch und erfreulich. Wechselnd war auch die Bewirtung, das typische Nord-Süd-Gefälle. Waren wir vor Borgholzhausen noch froh, dass wir im Luisenturm einen Glühwein bekamen (der Turm hat nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet), waren die meisten anderen Gasthöfe in Weihnachtsruhe. Nur der Bienenschmidt hatte geöffnet, war aber vor mittag noch nicht so richtig auf Gäste vorbereitet.
Der Weg ist, wie immer, nett; kurz vor Bielefeld kommt man durch einen Tierpark, man lernt etwas über Wacholderbrennerei, Römer und Cherusker, kann Kunst erleben, ach, das ist schon gar nicht so langweilig, die alte Heimat.

Die besten Erlebnisse:

  • Kurz hinter Borgholzhausen hatten liebe Menschen die Tanne neben einer Hütte dekoriert, in der Hütte brannte eine Adventskerze im Glas.
  • Auf dem Weg nach Oerlinghausen noch mit den alten Wanderfreunden geschrieben, die auf dem Weg von Südtirol in die Heimat waren, noch Hunger hatten und in Oerlinghausen ein gutes Restaurant kannten und zwar die Altdeutschen Bierstuben. Guter Abend, gerne wieder. Den Lieblingshund wiedergetroffen und viel gestreichelt. Die lange Fahrt halt…
  • Lustig auch, wie schnell man städtisch agiert, nur weil man in einer Stadt ist. Sofort wurden wir wählerisch bei der Gastro-Wahl, sowohl in Bielefeld, als auch in Detmold. In Bielefeld ist für den Vormittag übrigens das Café Knigge eine gute Wahl und nah am Weg.

Die besten Quartiere:

  • Keine Ausfälle dieses Mal, aber die Quartiere außerhalb der Städte sind im Winter wohl wenig belegt, dadurch sind die Nebenzimmer eher kühl und das Zimmer selber auch. Anders das Altstadthotel in Detmold, wo man auch gut essen kann.

Das würde ich nächstes Mal anders machen:

  • Passt schon alles so.

Kurz: Gute Wintertour, weil man die Etappen so frei einteilen kann und immer mal wieder in warme Städte kommt. Der Hermannsweg ist auch ein guter Einstieg für Wanderer, alle naselang gibt es Schutzhütten, die im Leporello alle verzeichnet sind.

Hier gibt’s unsere Planung als pdf-Dokument.

Ein nebeliger Waldweg
Gleich kommt da was raus.
Winterliches Borgholzhausen
Winterliches Borgholzhausen
Wanderer in Hütte mit Kerze
Weihnachtsstimmung in der Hütte
Ein Glas Wein vor einem Fenster
„Kaffee“-Pause
Sonnenstrahlen im winterlichen Wald
Geht doch!
Blick auf Oerlighausen
Blick auf Oerlighausen
hermannnebel
Der Herrmann, etwas benebelt

Von den Alten lernen: Schuhe

Schuhe. Kaum ein anderes Thema scheint so kompliziert zu sein, wieder Wanderschuhkauf. Vielleicht noch Hosen. Die Auswahl ist riesig, trotzdem sind die Schuhe zu groß, zu klein, zu weit, zu eng, zu kurz, zu lang, zu leicht, zu schwer; sie müssen zur Tour passen, sollen sie eine Nummer größer sein für den Abstieg oder lieber anderthalb Größen, mit Techgewebe oder aus Leder. Und dann die Sohlen, ach, für jede Tour die richtige Sohle bitte. Wer mit Bergschuhen auf dem Camino geht, darf sich nicht wundern, wenn die Sohlen gleich platt sind. Am Ende hat man dann doch Blasen und es geht von vorne los. Haben wir schon über das Rucksackgewicht und die Schafthöhe gesprochen, sie wollen doch nicht umknicken?! Denken Sie aber immer dran, dass sich der Kleber nach sieben Jahren lösen kann, dann können Sie die aktuellsten Versionen ihrer Schuhpaare bitte alle noch einmal kaufen.
Und dann ist man mit seinen handgefertigten Spezialstiefeln auf dem Weg und vorbei zieht die örtliche Wandergruppe, lauter Senioren und sie tragen: Schuhe. Ganz einfache, bequeme Halbschuhe. Und sie sehen gut damit aus, so ohne Klumpen an den Füßen. Plötzlich wird einem bewusst, was das wichtigste an Wanderschuhen ist. Man muss ganz einfach darin lange laufen können und sich in ihnen wohlfühlen.

Leichte Packliste E5 Bozen – Levico Herbst 2018

Im Herbst wandern ist ja so eine Sache, schnell kann die Temperatur fallen, es fängt an zu regnen und dann braucht man warme, trockene Sachen. Ganz anders im Herbst 2018, die Prognose war sommerlich für Südtirol und Trentino und so packten wir vieles nicht ein, das sonst natürlich im Herbst dabei wäre. Grad in den Alpen!
Lange Unterbüx, Mütze und Handschuhe blieben aber dieses Mal daheim, einen Hüttenschlafsack benötigt man nicht und auch kein Handtuch.

Am Körper

  • Cross Chino 295g
  • Meru Troyer 290g
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt 101g
  • Falke GO-2 Socken 46g
  • Scarpa Mojito GTX Schuhe 808g
  • Telefon 143g

Macht zusammen 1724g. Die Einlagen der Schuhe müssen dringend mal neu, dabei könnte man auf ein leichteres Modell achten. Auch die Socken bewähren sich nicht. Demnächst teste ich mal Socken von Rohner, auch die sind leichter.

Technik/Werkzeuge

  • Ladegerät 37g

Tja.

Wechselwäsche

  • Cross Chino hellblau 295g
  • Cross Pullover 194g
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt 82g
  • Falke Tiago Socken 36g
  • Nomaquito Badeschuhe in Obstbeutel 161g
  • Schlafshirt 117g

Macht 926g. Es bewährt sich, Retro-Shorts zu tragen und damit nur noch ein Schlafshirt mitzunehmen, dass auch als Reserveshirt bei Kälte dient.

Wind- und Wetterschutz

  • Decathlon Regenhose 158g
  • Gwell Regenjacke 137g
  • Meru KuFa-Jacke 265g
  • Buff Schlauchtuch 58g
  • Taschenschirm 134g

752g.

Bad/Hygiene

  • Packtasche 1L 13g
  • Deo 65g
  • Bio-Shampoo 60g
  • Einwegrasierer 8g
  • Rasierwasser 10ml 13g
  • Zahnbürste 13g
  • Ajona Zahnpasta 22g
  • Nagelclipser 13g
  • 1. Hilfe, Blasenpflaster und persönliche Medikation 21g

Das sind 228g. Der Versuch, auf Rasiercreme zu verzichten war lästig. Die 15g kommen demnächst wieder mit rein. Bei der 1. Hilfe konnten wir wieder reduzieren, es gab nur noch ein paar Pflaster, einige wenige Blasenpflaster, etwas Ibu und Allergiemedikation. Kompressen und Mullbinden bleiben schön im Apothekerschrank.

Als Neuerungen gab es ein Paprcuts-Portemonnaie, das sich gut geschlagen hat und unbefüllt 14g wiegt. Verpackt wurde alles in einen Haglöfs L.I.M lite 25 Rucksack. Er ersetzt den Salomon, der einen doch recht langen Rücken hat. Der Haglöfs sitzt super und trotz geringeren Volumens vermittelt er das Gefühl von mehr Platz. Vor allem gefiel es mir, wieder ein Deckelfach zu haben. Außerdem ist er mit 390g noch mal 29g leichter als der Salomon. Als Regenschutz dient wieder der altbewährte Müllsack.
Damit lag das Gewicht bei knapp 2,4kg.

Dazu kam natürlich Wasser, dieses Mal oft Flaschen aus dem Supermarkt mit je 0,5L und einige Snacks. Einkehren konnte man ja oft genug, so dass es wirklich wenig war.

Vermisst habe ich nur eine Sache, ein ganz klarer Anfängerfehler: man reist halt nicht nach Italien ohne Sonnebrille!

Alle Packlisten finden sich unter – welch Wunder – der Kategorie Packlisten.

Wanderer Unterwegs
Unterwegs

Der E5 südlich von Bozen: Levico nach Bozen

Wann: Anfang Oktober 2018
Planungsgrundlage: Rother Wanderführer „Fernwanderweg E5“ (Ausgabe 2015)
Dauer: 5 Tage, ca. 100 km
Region: Alpen, Italien

Zweimal ging es ja schon auf dem E5 über die Alpen, quasi vom Bodensee bis direkt nach Südtirol. Dazu gibt es hier noch die Überlegung, wie man diese Tour ohne Hüttenübernachtung machen kann.
Zeit, mal zu schauen, wie es Richtung Verona weitergeht. Auf Grund einer Romreise und weil es im Herbst besonders schön sein soll, haben wir diese Tour im Herbst gemacht und sind dazu von Levico gestartet.

Levico Terme ist ein recht schöner Badeort im Trentino, dort hatten wir einen freien Tag, den wir zum Einwandern auf dem Klettersteig im Val Scura genutzt haben. Laut Reiseführer kann man diesen Weg auch ohne Klettersteigset gehen, wir fanden: nein.

Geht man von Levico aus Richtung Bozen, sollte man den Kammweg nach Palu del Fersina wählen. Der Alternativweg ist gut geeignet für Regentage und bietet einige Einkehren mehr, ist allerdings auch recht schlicht. Lange dauern tun beide, man sollte also früh starten – und ein Navi dabei haben, der Trentino ist nicht so nahtlos ausgeschildert wie Österreich oder Südtirol.

Ein hübsche Etappe geht nach Cembra und das, obwohl man viel über Asphalt geht (wer schnell ist, sucht die Alternativen über die Waldwege). Auf dem Normalweg trifft man auf viele hübsche Dörfchen und auf Erdpyramiden.

Die Grenze zu Südtirol wartet dann mit viel Waldwirtschaft auf, im Herbst ist Baumernte und man geht häufig Umwege. Manche davon führen über den „alten“ E5, der mehr Aussichten auf Berge bietet, aber dessen Verlauf auch manchmal im Nichts (d. h. Wege, die durch Sturmschäden vernichtet wurden) endet.
Südtirols Wanderwege sind dann etwas durchwachsen. Oft fühlt man sich wie im Teutoburger Wald, nur höher. Vielleicht war aber auch der Herbst 2018 zu warm, um für Farbpracht zu sorgen. Vielleicht gab es aber auch nur zu viele Nadelbäume.
Fantastisch hingegen war natürlich die Küche und auch die Quartiere hatten dieses Mal keinen Aussetzer, selbst wenn man in einem Quartier nicht mehr mit uns gerechnet hatte (im Oktober ist keine Saison mehr). Das Zimmer dort war nicht geheizt und wir mussten in unserer Kleidung schlafen. Dafür gab es super Frühstück.

Die besten Erlebnisse:

  • Menschen, ey. Als der Weg nach Palu del Fersina zu lang wurde nahm uns doch glatt ein Jäger mit, an Bord hatte er den Setter Duke, der mal dringen gestreichelt werden musste.
  • Die Gastgeber. Alle toll.
  • Die Erkenntnis, dass auch Umwege zum Ziel führen und vielleicht sogar besser sind.

Die besten Quartiere:

  • Der Fichtenhof in Gfrill. Was für ein Ortsname, was für eine Küche, was für eine tolle Wirtin. Für eine gute Küche ist so ein Herbst natürlich super: Wild, Pilze, Maronen, Kräuter, Wein, Äpfel und Birnen. Und alles wächst vor der Haustür.
  • Der Thomaserhof in Oberradein. Uralter Hof mit uralter Stube mit liebevollster Wirtin und leckerem, hausgemachten Speisen.

Das würde ich nächstes Mal anders machen:

  • Viellicht sollte man es direkt im Anschluss an die Alpenüberquerung wandern und gleich bis nach Verona gehen.

Kurz: Kann man mal machen, muss man nicht.

Hier gibt’s unsere Planung als pdf-Dokument.

Im Val Scura
Im Val Scura
Val Scura
Val Scura
Drachenflieger
Drachenflieger
Abendstimmung im Trentino
Abendstimmung im Trentino
Ein Brunnen in den Alpen
Brunnen
Wanderer Unterwegs
Unterwegs
Weinberge bei Parlo
Weinberge bei Parlo
Castello Segonzano
Castello Segonzano
Erdpyramiden
Erdpyramiden
Baumfäller, aus einem Baumstumpf geschnitzt
Baumschnitzkunst
Schafe!
Schafe!
Blick auf's Bozener Tal
Blick auf’s Bozener Tal
Salamander
Lurchi!

Ohne Worte

Wenn man beim Wandern in den Alpen einem Trupp junger Menschen immer wieder begegnet und wenn diese Menschen erst über die schneefreien Beton- äh, Schneepisten wandern, vor dem Plan mit den Winterpisten stehen bleiben und seufzen, wie sehr sie das Skilaufen vermissen; wenn diese Menschen dann darüber reden, wo sie was bei welchem Spezialhändler in München noch alles kaufen müssen, für’s Wandern, für’s Skilaufen; nahtlos wechseln zum Gespräch darüber, dass sie endlich mal wieder richtigen Kaffee möchten nach der einen Nacht auf der Hütte, am liebsten in Italien: „Un cafè, por favore, pronto“ und natürlich ’ne richtig geile Latte (Macchiato) meinen, bevor sie dann ihr Selfie vor der Bergkulisse machen bei der Seilbahnfahrt – wie oft darf man die mit der Muffe puffen?