Was man auf dem E5 nicht braucht

Und auch auf keiner Mittelgebirgswanderung!

(Es sei denn, man zeltet.)

Die Planungssaison beginnt offensichtlich, was am Traffic in diesem kleinen Blog auszulesen ist und das Interesse liegt am E5 und dem Bedarf am Rucksackinhalt. Statt aufzulisten, was alles wichtig ist, gibt es hier aber mal eine Übersicht, was man ganz bestimmt nicht braucht, was ich aber trotzdem schon mit Amüsement alles angetroffen habe. Los geht’s: Ich packe meinen Rucksack und lasse weg:

  • einen Leatherman,
  • eine Säge,
  • eine Schaufel,
  • ein großes Multifunktionsmesser,
  • ein großes Fahrtenmesser,
  • einen Laptop,
  • eine Bluetoothbox in der Größe eines eingerollten Schlafsacks,
  • Partylichter,
  • einen Bodyrasierer (wenn er als Zweitrasierer fungiert),
  • Shampoo-, Duschgel- und Rasierschaumflaschen in Extragröße,
  • die Kombi aus Regenhose, -jacke, -rucksacküberzug,- cape UND Regenschirm,
  • ein Sakko,
  • Stöckelschuhe und
  • eine Espressomaschine.

Denken Sie immer dran: Sie müssen’s selber tragen! Und Sie sind schließlich keine Bergziege.

Packliste Rheinsteig im Oktober

Der Herbst, der Herbst, da hat man dann doch allerlei dabei und wenn er dann so ausfällt, wie 2020, dann hat man vor allem allerlei am Körper. Nun, gut, das macht immerhin den Rucksack leicht. Hier also quasi ein Best-of-Wanderbesitztümer vom Steffen 2020.

Am Körper

  • Cross Chino 295g
  • Meru Troyer 290g
  • Thermo-Unterhemd mit Rollkragen 217g
  • halblange Unterhose Jako 76g
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt lang 119g
  • Knitido Zehen-Socken 37g
  • Merrell Trail Glove 5 372g

Technik/Werkzeuge

  • Telefon 143g
  • Ladegerät Telefon 37g
  • E-Reader 165g

Wechselwäsche

  • Cross Chino hellblau 295g
  • Cross Polo 194g
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt 82g
  • NoName-Füßlinge 26g
  • Jackshibo Badeschuhe in Obstbeutel 50g
  • Schlafshirt 117g

Dies mit der Hose weglassen, das ist mein neuer 5-Jahresplan. Vier Jahre überleg ich bestimmt schon dran rum… Neu sind die Badeschuhe, die nur die Hälfte der alten wiegen und ein florales Muster haben. Ha!

Wind- und Wetterschutz

  • TheOmm Halo Regenhose 82g
  • Berghaus Hyper100 Regenjacke 91g
  • Meru KuFa-Jacke 265g
  • Schal 68g
  • Taschenschirm 134g
  • Mütze 26g
  • Handschuhe 44g

Die Handschuhe nerven, die Mütze und die Jacke lösen sich auf. Im Anschluss durfte also der britische Ultralight-Fachhandel von mir profitieren, dazu mehr, wenn man wieder mit Hotelübernachtung wandern darf.

Bad/Hygiene

  • Packtasche 1L 13g
  • Deo 65g
  • Bio-Shampoo 60g
  • Rasierer mit Klinge 10g
  • Rasierwasser 10ml 13g
  • Zahnbürste 13g
  • Ajona Zahnpasta 22g
  • Nagelclipser 13g
  • Pinzette 3g
  • 1. Hilfe, Blasenpflaster und persönliche Medikation

Kleinkram

  • Portemonnaie Paprcuts 13g (ohne Inhalt)
  • Reiseführer 217g (wurde nach der 1. Tour im Bücherhäuschen entsorgt, weil er die Tour anders herum geführt hat, was extrem doof zu lesen ist)
  • 0,5L PET-Flasche, Snacks

Eine Flasche reichte.

Es bewährt sich der

  • Haglöfs L.I.M. lite 25 Rucksack 335g und der
  • Müllbeutel (Liner) 20g.

Entspanntes Gewicht, was bei einigen Wanderanfängern für Aufsehen sorgte.

Wanderer im Wald mit Regenschirm
Es kann nicht immer eitel Sonnenschein sein.

Der Rheinsteig

Wann: Oktober 2020
Planungsgrundlage: Rother Wanderführer „Rheinsteig“, GPS-Daten von outdooractive.de, Navigation mit MapsOut
Dauer: 15 Tage, ca. 310km
Region: Rheinland, Deutschland

Wandern an Deutschlands lautestem Wanderweg,
direkt am Verkehrsfluss!

Soweit zum Thema: „Wenn Werbung ehrlich wäre“. Der Rheinsteig war einer der ersten Wanderwege, der nach Komfortkriterien ausgerichtet wurde. So kann man sich die Touren buchen lassen und durch die vielen Gasthöfe und Hotels am Weg kann man die Etappen recht frei einteilen. Es gibt allerlei Bahn- oder S-Bahn-Anbindungen, was auch unterteiltes Wandern möglich macht oder eine schnelle Wochenendtour. Natürlich gibt es auch einen Gepäckservice, man kann also mit Tagesgepäck wandern und hat Abends seine Koffersammlung im Hotel. Die Gegend bietet neben Wein auch weitere kulinarische Genüsse, einer gepflegten Wanderung steht da doch eigentlich nichts mehr im Weg, oder?

Leider ist der Weg stark an der Bodenqualität ausgerichtet, um das Prädikat Premiumwanderweg zu erhalten. Was dabei nicht gemessen wird ist wohl die Lärmbelastung. Zwischen Bonn und Koblenz ist nicht nur der Schiffsverkehr deutlich zu hören, es laufen oft Straßen plus Bundesstraßen plus Autobahnen auf jeder Seite des Rheins, daneben beherrscht Industrie oft Aussicht und Gehör. Das macht sich natürlich auch in den Ortsstrukturen bemerkbar. Viele Orte sind durch die Bahn regelrecht durchschnitten und vom Rhein abgetrennt. Geht die Industrie ein, stirbt auch der Ort. Schlimm war da z. B. Bad Hönningen, wo der Großteil des Ortes offensichtlich das letzte Mal in den 80ern frische Farbe bekommen hat und mitten im Ort das Bistro Valentino vor sich hin verfällt. Tristesse deluxe. Immerhin macht das Restaurant Sonnenseite frischen Wind.

Wohl des Lärms wegen geht man durch Siebengebirge und Westerwald, was ohne Frage wunderschöne Waldwege durch Naturschutzgebiete sind, aber man geht eher wenig am Rhein.
Die Lärmbelastung nimmt ab Koblenz deutlich ab und auch die Wege werden eher mal mit Rheinblick geführt, aber es braucht schon Umplanungskompetenzen, um wirklich mal am Rhein zu sein (s. beste Erlebnisse). Dafür liegt hier der Abschnitt mit der Loreley, den Burgen und dem UNESCO-Welterbe und das ist schon alles sehenswert.
Wie oft in Deutschland hat man in kurzer Zeit eine Menge Kulturlandschaft erfahren und kommt sehr viel klüger wieder zuhause an.

Praktisch ist, dass man den Weg in beide Richtungen laufen kann, sowohl in Bonn als auch in Wiesbaden startend. Jede Richtung hat ihre Vor- und Nachteile: Wer in Bonn startet geht gegen den Fluss, hat aber eine guten Start entlang des Rheins und steigert das Naturerlebnis bis kurz vor Wiesbaden. Wer in Wiesbaden startet geht mit dem Fluss, hat auf den letzten Etappen dann aber vermehrt Lärm, kommt aber schöner in Bonn auf dem Marktplatz an.

Die meisten Wanderführer gehen in Wiesbaden los, nur Kompass startet in Bonn. Das machte den Rother für uns auch schwer nutzbar. Außerdem gehen viele Wanderführer sehr kleinteilige Etappen. Etappen um 20km sind aber für geübte Wanderer gut machbar, trotz einiger Höhenmeter. Unterschätzen sollte man die Höhenmeter nicht, auf den Touren um 25km waren wir doch recht geschafft.

Die besten Erlebnisse:

  • Herbstlaub gesehen, bzw. deren Verfärbungen. Dies geht im Oktober in Deutschland halt schneller, als in Italien (s. hier und hier). Dafür spielte das Wetter nicht so mit, es regnete zwar kaum, war aber beinah durchgehend grau. Die Fotos beschränken sich so auf den ersten Tag und dann wieder die letzten Etappen.
  • Hm, bestes Erlebnis irgendwie nicht und auch doch: Wandern in Corona-Zeiten ist die einzige Art, halbwegs sicher Urlaub zu machen (außer zuhause bleiben). Die meisten Hotels und Restaurant lagen nur am Rande von Risikogebieten und waren nur wenig besucht. Kurz danach wurde ja das Leben im November auch wieder deutlich heruntergefahren.
  • Auf dem Abschnitt rund um die Loreley eine Menge anderer Wanderer gesehen und z. T. gesprochen. Manche waren echt fertig, während wir dagegen beinah sportlich wirkten. Auch mal eine Selbsterkenntnis, dass die langen Wanderjahre wohl doch Auswirkungen haben.
  • Außerdem konnten wir mal wieder unser gesamtes Gewichtssparwissen anbringen.
  • Stichwort Umplanungen: nachdem am zweiten Tag bei der liebsten Wanderbegleitung Schmerzen am Knöchel auftauchten, übersprangen wir die dritte Etappe, um mit der Bahn kurz nach Bonn zurückzufahren, neue Schuhe und etwas Kleinkram zu kaufen und dann zum Etappenzielort zu fahren.
  • Und: bei der Planung wurden einige Etappen dann doch offensichtlich zu lang. Eine Alternative war ab Kaub der Rheingauer Rieslingpfad, der wunderschön durch die Weinberge führt und uns als die sehenswertere Variante des Rheinsteigs erschien. Damit ist man nicht nur näher am Rhein, sondern sieht z. B. auch deutlicher das Binger Loch – und hat die Weinberge in voller Pracht.
  • Umgehen sollte man nicht die Ruppertsklamm (außer bei Starkregen), die ist die Wucht! Kletterig, eng und beeindruckend.
  • Der rote Sekt in Assmannshausen, kurz vor Sonnenuntergang. Teuer, aber perfekt.

Die besten Einkehren:

  • Bei den Quartieren gab es dieses Mal keine größeren Ausfälle, nur das Hotel Weißes Ross in Lahnstein dürfte mal wieder die Ecken putzen und die Silikone im Bad erneuern. Etwas drüber war innenarchitektonisch das Weinhaus Sinz.
  • Das beste Quartier war Kloster Eberbach. Super Zimmer, super Anlage, super Essen, super Wein. Da muss man mal gewesen sein!
  • Das Brauhhotel Bonn ist aufgeräumt und die Wirte sehr charmant.
  • In Unkel sollte man Im Lämmchen essen. Maronensuppe nach dem Rezept der Apothekenumschau ist sehr lecker.
  • Hotel Waldterrasse hat eine familiäre Atmosphäre und neu gemachte Zimmer.
  • Hermanns Mühle ist auch recht gut und familiär. Guter Flammkuchen!
  • Das Deutsche Haus in Kaub besticht durch die Weinauswahl. Und der Wirt hat Ahnung vom Wandern.
  • Außerdem glänzte die Gastronomie auf dem Weg durch „Heute geschlossen“. Das sagte bereits der Wanderführer, dass ab Oktober/November vieles geschlossen hat und Corona tut seinen Teil dazu.
  • Deshalb: Der Wanderkiosk von Günni in Lykershausen! Günni hatte weißen Winzerglühwein, Nussstrudel und warme Decken.

Das würde ich das nächste Mal anders machen:

  • Wenn man den ganzen Weg machen will, kann man ja nicht einfach Etappen weglassen. Aber vielleicht ist der Abschnitt ab Koblenz einfach der wirklich lohnenswerte.
  • Die Höhenmeter darf man nicht unterschätzen, schrieb ich ja bereits. 30km schafft man nur sehr trainiert und mit Ultra-Leichtgepäck.
  • In Wiesbaden würde ich genauer auf die letzten Markierungen achten, irgendwie fehlte unser dieser Schlusspunkt. So sind wir da nicht so richtig angekommen.

Kurz: Doch, kann man gut mal machen.

Hier ist ein Download unserer Planung und hier eine Packliste.

Packliste Juliana Trail im Sommer

Es sind zwar die Alpen, aber man umrundet sie ja eher. Deshalb ist man mit leichtem, sommerlichem Gepäck gut bedient und kann einiges zu Hause lassen. Leicht dürfen auch die Schuhe sein, außer einigen knackigen Anstiegen wird es wenig alpin. Das alle natürlich ohne Gewähr und für Leichtgepäckler.

Am Körper

  • Cross Chino Shorts 224g
  • Hemd 217g
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt 101g
  • Knitido Zehen-Socken 27g
  • Merrell Trail Glove 5 372g

Technik/Werkzeuge

  • Telefon 143g
  • Ladegerät Telefon 37g
  • E-Reader 165g

Wechselwäsche

  • Cross Chino hellblau 295g
  • Cross Polo 194g
  • Calida KuFa Unterhose 41g
  • Calida T-Shirt 82g
  • NoName-Füßlinge 26g
  • Nomaquito Badeschuhe in Obstbeutel 161g
  • Schlafshirt 117g
  • Badehose

Wind- und Wetterschutz

  • TheOmm Halo Regenhose 82g
  • Berghaus Hyper100 Regenjacke 91g
  • Meru Troyer 290g
  • Schal 48g
  • Taschenschirm 134g

Bad/Hygiene

  • Packtasche 1L 13g
  • Deo 65g
  • Bio-Shampoo 60g
  • Rasierer mit Klinge 10g
  • Rasierwasser 10ml 13g
  • Zahnbürste 13g
  • Ajona Zahnpasta 22g
  • Nagelclipser 13g
  • Pinzette 3g
  • 1. Hilfe, Blasenpflaster und persönliche Medikation
  • Bodenwischtuch KuFa 40g als Handtuchersatz

Kleinkram

  • Sonnenbrille Decathlon 26g, Lesebrille 13g
  • Portemonnaie Paprcuts 13g (ohne Inhalt)
  • Reiseführer
  • drei PET-Flaschen 0,5L, Snacks

Im Rucksack

  • Haglöfs L.I.M. lite 25 Rucksack 390g
  • Müllbeutel (Liner) 20g

Das sind wieder Mal rund 2,5kg ohne Wasser und Snacks. Neu sind Zehensocken und Merrell Trail Glove. Die Zehensocken sind lustig zu tragen, die Merrell super zu laufen.

Im Anschluss habe ich am Rucksack noch Strippen entfernt und gekürzt, das bracht insgesamt 65g (!) weniger. Badehose hätte ich mir sparen können, alles andere habe ich auch gebraucht.

E-Reader und Brille bewähren sich für abendliches Lesen, das Gewicht werde ich wohl nie wieder einsparen können.

Alle Packlisten finden sich unter – welch Wunder – der Kategorie Packlisten.

Der Juliana-Trail

Wann: Juli/August 2020
Planungsgrundlage: GPS-Daten von outdooractive.de, Navigation mit MapsOut
Dauer: 15 Tage, ca. 270km
Region: Slowenien, Italien, Julische Alpen

Der Juliana Trail ist ein 2019 begründeter Fernwanderweg in Slowenien und umrundet, einfach gesagt, die Julischen Alpen bzw. den Triglev-Nationalpark. Es gibt noch keinen Wanderführer, aber auf Outdooractive sind die GPS-Daten von den Tourismusbüros direkt hinterlegt. Es lohnt sich, die Gesamtstrecke und die einzelnen Etappen zu laden, da die Wegmarkierung mal dieser, mal jener Strecke folgt. Die Strecken unterscheiden sich nur Details, aber wenn mal wieder eine Wandermarkierung fehlt, weil ein Baum gefällt wurde hilft oft auf jeden Fall eine Datei auf dem Smartphone weiter.

Man kann den Weg so recht einfach selber buchen (s. Download unten), es gibt aber auch die Möglichkeit, dies von den Touristen-Informationen erledigen zu lassen. Dort bekommt man auch einen kleinen Wanderführer, der aber nur kleine Wanderkarten, Entfernungen und Höhenprofile enthält. Mit Distanzen unter 20km, relativ wenigen Höhenmetern (1000m sind allerdings schon mal darunter) und recht vielen Orten auf dem Weg richtet sich der Weg eher an gediegene Genusswanderer als an Gipfelstürmer. Außerdem positioniert sich Slowenien mit 35% Naturschutzgebieten und Grünem Tourismus als Ziel für gewissenhafte Outdoorsportler. Also genau das richtige für uns.

Im Corona-Sommer 2020 war zudem hilfreich, dass es ein Rundweg ist. Man kommt über Österreich in den Skiort Kransjka Gora, den wir auch vom Alpe Adria Trail kennen. Man kann sein Auto im Ort kostenlos parken und wandert in ca. 15 Tagen rund um den Triglav wieder dort hin. Zwei Etappen führen nach Italien rein und auch wieder raus, über den Ort Tarvisio, hier kreuzt man den Trail Salzburg-Triest. Leider durfte man 2020 nur als Italiener oder Slowene diese Grenze kreuzen, deshalb kann ich hier auch nicht berichten, dass wir wegen einer Gewitterfront den Bus für diese zwei Etappen genommen haben und ganz froh waren, weil man eigentlich nur Straße gewandert wäre. Das wären dann definitiv zwei unnütze Etappen gewesen, wenn man sie denn hätte gehen oder fahren dürfen. Alternativ kommt man von Bovec über Trenta und den Alpe-Adria-Trail nach Kransjka Gora zurück. Dann verpasst man aber Log pod Mangartom.

Anfangs führt der Weg idyllisch am Bach entlang zum ersten Ziel, weiter über Waldwege bis er plötzlich weite Sichten ermöglicht. Nach Pokljuka hin wird es gebirgiger, hier mit weiten Sichten und Almen, zum Teil mit kräftigen Anstiegen. Erst ab Most na Soči wird es wieder flach, entlang der Soča geht es nach Tolmin, dann über Straßen nach Kobarid. Durch das wilde Tal der Soča geht es nach Bovec, um dann ins enge Tal von Log pod Mangartom zu gelangen.

Die besten Erlebnisse:

  • Log pod Mangartom zu verpassen wäre eine Schande: Nach der kurzen Wanderung hierhin hat man noch Zeit die spektakulären Wasserfälle zu erwandern. Außerdem hat es hier neben dem besten Quartier der Tour (s. u.) auch gleich zwei Möglichkeiten köstlich zu essen. Entweder isst man Pizza oder speist im Restaurant neben dem Gästehaus. Im Hotel, wo es Pizza gibt, kann man sich übrigens auch für ein ganz solides Frühstück einbuchen – eher italienisch als continental.
  • Auf dem Weg dorthin kommt man durch alte Schützenanlagen aus den diversesten Kriegen. Unglaublich, wie dumm der Mensch ist, aber was er schafft, um andere zu zerstören.
  • In Corona-Zeiten war es sehr seltsam zu Reisen. Slowenien hatte die Epidemie früh als beendet erklärt, daher bot es sich als Reiseland an. Man trug zwar Maske und hielt Abstand, aber in Deutschland war alles noch viel strenger. Es machte Hoffnung.
  • Außerdem ist es immer wieder schön, ein Land oder eine Region ein zweites Mal zu besuchen. Auf dem Alpe Adria Trail stand immer der Vergleich mit Italien im Raum, jetzt erfassten wir die volle Schönheit und den Charme Sloweniens.
  • In Jesenice – das übrigens viel an sozialistischer und industrieller Architektur beherbergt – lag das Gasthaus verkehrsgünstig zwischen Bahnhof und den Hauptstraßen. Das hätte schlimm sein können, wenn nicht die Wirtin auf gute Fenster, eine flüsterleise Klimaanlage und einer ruhigen Außenbereichsgestaltung Wert gelegt hätte. So konnten wir das hervorragende Essen und den leckeren Wein genießen.
  • Am nächsten Morgen zeigte sich, dass die Dame auf den Skifotos an der Wand die Wirtin war und 1994 in Lillehammer Bronze gewonnen hatte und sich sichtlich darüber freute, darauf angesprochen zu werden. Es gab dann gleich auch ein Autogramm.
  • Wenn man dann kurz denkt, das es wie im deutschen Mittelgebirge ist führt einen der Weg durch eine unglaublich tolle Höhle.
  • Am schönsten war aber, als sich die Schmetterlinge auf die Haut setzten. Überhaupt, diese Insekten- und Pflanzenvielfalt. 35% Naturschutzgebiet scheinen ganz gut zu sein (andere Länder haben nur 10%).
  • Schön auch die Kuhherde, die sich brav an die Verkehrsregeln hielt und gemütlich hintereinander auf der rechten Seite spazieren ging.
  • Und dann noch: die Soča. Im Sommer noch beeindruckender als im Herbst.

Die besten Einkehren:

  • Log pod Mangartom, ich schrieb es ja bereits. Die Gorska Roza wird von zwei liebevollen Gastgebern geführt. Die alte Pension ist behutsam renoviert worden, alte Möbel wurden übernommen und aufgearbeitet, die Bäder wurden neu gemacht. Wie so oft in Slowenien ist es ein Quartier für Selbstversorger, mit gut ausgestatteter Küche und Essraum. Dazu kann man sich aber kostenlos Kaffee aus einem der höherwertigen Automaten ziehen. Bonusfeature: die Gastgeber kennen sich offensichtlich mit den Outdooraktivitäten aus.
  • Auch die Nummer zwei hatten wir schon: Guest House EJGA in Jesenice. Alles neu, alles schick. Lustigerweise hatte das Zimmer vier Betten, zwei davon geschickt durch einen Vorhang abzuteilen. Da ist Slowenien Deutschland weit voraus, was Gastfreundschaft angeht. Bonusfeature hier: Die Skiläuferin, das Wiener Schnitzel vom Kalb und der Sauvignon.
  • Das Apartment Cesar in Stara Fuzina ist eine gemütliche Ferienwohnung mit zwei Zimmern, herzlicher Wirtin und Waschmaschine. Der Ort beherbergt noch eine Eisdiele, die Google nicht kennt und die am Morgen Kaffee bereitstellt. Direkt gegenüber der Ferienwohnung gibt es ein gutes Restaurant. Man kann früh los im Sommer, denn die Folgetour ist kurz und nach zwei Kilometern ist ein herrlicher Bergsee, direkt an einem Restaurant mit Frühstücksstrudel.
  • Platz vier ist dann das billigste Hostel auf der Tour: Hostel X in Kobarid. Bequem, lustige Outdoorburschis als Betreiber, alles sehr unkomliziert. Kobarid ist toll, weil es ein Sternerestaurant hat, was sich erheblich auf die Qualität des Essens bei den anderen Restaurants auswirkt. So hat der Mann der Sterneköchin das Restaurant Hiša Polonka, die sich regionaler Köstlichkeiten zu erschwinglichem Preis bedienen.
  • Wie auf dem Alpe Adria Trail war auch dieses Mal die Gostlina Pri Martinu toll. Gemütliche Zimmer, frisches Bad, gutes Frühstück. Abends hat Kransjka Gora aber bessere Restaurant zu bieten (wegen Faulheit nicht getestet).
  • Alle anderen Quartiere und Einkehren (s. Liste bei den Downloads) waren auch recht gut, aber auch nicht ganz billig.
  • Ein etwas skurriles Quartier hat man allerdings in Grahavo ob Bači, die Leute sind supernett, das Bad und die Zimmer auch sauber und wir durften Wäsche waschen. Aber Kochen können sie nicht wirklich. Leider hat man keine andere Wahl.

Das würde ich das nächste Mal anders machen:

  • Ganz klar kann man sich die Etappen nach Italien sparen. Der Weg geht anfangs noch an Wasserfällen vorbei, aber ähnliche kann man auch von der Gorska Roza aus erkunden. Dann geht man Straße. Enge Gebirgsstraße durch Italien und zwar durch das Italien, wo es mal Industrie gab. Auch Tarvisio sieht dann so gar nicht nach gemütlichem Piazza-Abend aus. Der Weg nach Kranjska Gora ist nur unwesentlich besser und hat Abschnitte abseits der Straße. Im Sommer fährt genau diese Strecke ein Bus, der dafür 1,5 Stunden benötigt.
  • Die an Italien grenzenden Orte haben oft Pizza und die ist sehr gut. Die Ort, die eher nach Osten liegen haben auch Pizza, aber die ist oft fettdurchtränkt. In Mojstrana würde ich daher das Gasthaus nah dem Hostel Lukna wählen.
  • Etwas seltsam ist dann auch, dass Most na Soči direkt an der Soča liegt und man bei einer Halbinsel an der Grenze zu Italien eigentlich eine nette Piazza erwartet hätte. Zentral lag aber eine Tankstelle und direkt daran unser B&B Sunny Rooms, die zwar den Preis für das teuerste Quartier einheimsen, dafür aber kein Frühstück bieten. Das kann man im zugehörigen Café allerdings kaufen, aber die Stimmung der Besitzerin machte klar, dass das lieber erst ab 9 Uhr geht. 200m weiter liegt übrigens ruhig und direkt an der Soča die Pension Šterk, dort aßen wir zu Abend.
  • Von Most na Soči nach Tolmin führt der Weg ganz schön, dann aber geht man nach Kobarid weiter Straße und die können im Sommer ganz schön heiß werden. Aber kann man dort anders gehen? Vielleicht fährt ja ein Bus.

Kurz: Kann man gut mal gemacht haben!

Hier gibt’s unsere Planung als Download und hier eine Packliste.