Packliste Kantsteinweg

A.k.a. Testpackliste E1 Schleswig-Holstein. Ja, so sieht’s aus. Im Juli wollen wir den E1 Deutschland in Flensburg starten und bis Hamburg wandern. In den Folgejahren geht es dann runter bis Konstanz. Da braucht man natürlich andere Sachen als im Sommer in den Alpen und, nach der Entdeckung des Ultralighttrekkings, auch andere Sachen als in Wales oder auf dem Eifelsteig.

Es war Sommer, auch wenn es zeitweise dramatisch bewölkt war, konnte man gut in Shorts gehen und auf Daunenjacke, Schal, Handschuhe und Mütze verzichten. Auch die lange Unterbüx blieb im Schrank, wir sind ja hier nicht – wie gesagt – in den Alpen.

Also kam in den Haglöfs L.I.M Lite 25 (390g):

Wind und Wetter

  • Mülltüte als Regenschutz (10g)
  • Berghaus Hyper100 Regenjacke (91g)
  • TheOmm Regenhose (82g)
  • Zip-Pulli Meru (290g)

Der Pulli ist natürlich recht schwer, aber ich mag ihn. Regenjacke und -hose gab es im Schlussverkauf und drücken das Gewicht natürlich gewaltig nach unten. Zum Vergleich: die alte Marmot-Regenjacke wog 299g. Zum Einsatz kam dies alles aber nicht.

Abendgarderobe

Irgendwie komme ich ohne Wechselkleidung nicht klar. Also kam dazu:

  • Cross Ace Chino (295g)
  • Cross Langarm-Polo (198g)
  • Calida Retro-Shorts (41g)
  • Falke Socken (37g)
  • Nomaquito Badeschuhe (116g)
  • Calida Langarm-Shirt für nachts (167g)

Hm, das funktioniert gut, ist aber echt noch viel Gewicht.

Hygiene/Erste Hilfe

  • Packtasche EagleCreek (13g)
  • Zahnbürste (13g)
  • Ajona Zahnpasta (22g)
  • Rasiergriff Preserve mit Klinge (11g)
  • Rasiercreme in Dose (58g)
  • Rasierwasser in Dropper-Flasche (13g)
  • Deo-Stick (61g)(geteilt)
  • Bio-Shampoo 40ml (50g)(geteilt)
  • Nagelclipser (13g)
  • Pinzette (3g)
  • Ibuprofen (6g)
  • Ceterezin (2g)
  • 2 Blasenpflaster (4g)

Der Rasiergriff ist eine Neuentdeckung aus dem Bioladen; der Griff ist aus recycelten Joghurt-Bechern und so elastisch, dass die Standard-Doppel-Klingen länger halten.

Am Körper

  • Cross Ace Shorts (200g)
  • Calida Retro-Shorts (41g)
  • Rohner Socken (33g)
  • Calida T-Shirt (101g)
  • Bergans Wanderhemd (204g)
  • Vivobarefoot Primus Trail Firm (472g)

Hier hat sich am meisten getan. Vor allem die Minimalschuhe lösten einen unglaublichen Muskelkater aus. Mit Hemd fühle ich mich wohler als in Shirts und auch die Farbkombi gefällt mir grad gut.

Zu all den Sachen kam noch eine PET-Flasche mit 0,75L Fassungsvermögen, Telefon mit Ladegrät (143g+37g), eine Sonnenbrille, Snacks und Pausenbrote. Insgesamt macht das runde 2,2kg ohne Vorräte und Wasser und ja, damit bin ich zufrieden.

Die bevorstehende Tour macht sich auch bei der liebsten Wanderbegleitung bemerkbar, das dritte T-Shirt blieb zuhause, ebenso die Turnschuhe für abends. Das alles, damit ein neuer Rucksack befüllt werden kann, ein Vaude Citus 24LW. Dieses leichte Teil kann optimiert werden, indem man den Drahtbügel vorsichtig entfernt. So ergibt sich mehr Packvolumen und eine Gewichtsersparnis von 100g. Insgesamt liegt der Citus damit bei ca. 400g.

Der E1 kann kommen!

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Der Kansteinweg

Wann: Juni 2019
Planungsgrundlage: GPS-Daten von outdooractive.de
Dauer: 3 Tage, ca. 82km
Region: Südliches Hannover, Deutschland

Die erste Tour 2019! Irgendwie war das Jahr bisher wohl zu voll mit Alltag. Und warum in die Ferne schweifen, da das Gute liegt so nah?!
Nun denn, der Kansteinweg ist uns bereits öfter begegnet, bei Tagestouren im Umland. Er startet in Hannover am Lindener Berg, läuft durch Benther Berg und Deister in den Osterwald, über den Ith und den Hils bis nach Alfeld. Dazu braucht man zwischen drei und fünf Tagen, je nach Einteilung. Diese ist nicht ganz einfach, wenn man auf’s Campieren verzichtet, weshalb wir bei drei recht aktiven Wandertagen gelandet sind. So starten wir etwas hinter Linden in Hannover-Badenstedt an der Straßenbahnhaltestelle Am Soltekamp und unterbrachen in Springe und Salzhemmendorf (s. Planungs-Download unten).
Obwohl das weiße Dreieck auf schwarzem Grund recht markant auf den Wegen um Hannover ist, gibt es kaum Informationen zu dem vom Wander- und Gebirgsverein unterhaltene Kantsteinweg im Netz. Vermutlich, weil er auf dem schönsten Teilstück inzwischen mit dem Ith-Hils-Weg identisch ist. Daher muss man auch immer aufpassen, denn die GPS-Daten und die Beschilderung passen nicht immer überein.

1. Tag: Die Anreise mit der Straßenbahn ist natürlich praktisch. Das Wetter bewölkt, es ist recht windig, aber auch die Sonne kommt immer mal wieder durch. Nach den ersten Metern durch Stadtteilsstraßen mit den typischen Handy- und Backshops geht es immer mehr in Wohngebiete und erstaunlich schnell ins Grüne. Am Benther Berg treffen wir auf uns bekannte Spazierwege und ebenso bekannte Einkehrmöglichkeiten. Gut für den zweiten Morgenkaffee. Nach dem Berg und dem Überqueren der Bundesstraße ist man schnell in Gehrden, auch das ein netter Ort. Neu ist für uns der recht hübsche Teil zwischen Gehrden und Wennigsen. Wennigsen ist sehr hübsch, aber dort trifft uns die Erkenntnis, dass Supermarkt-Bäcker-Bistros inzwischen für besseren Kaffee sorgen als Eisdielen. Der Deister ist dann wie immer, breite Schotterpisten und Forstwege, als dann doch plötzlich mal ein Stichweg abgeht. Springe ist dann einer der typischen Orte, in denen es immer mehr Leerstand gibt und die erträgliche Restauration nur noch in asiatischer oder orientalischer Hand liegt. Das Hotel ist von Chinesen betrieben und super, ebenso der Abend im Thailändisch-Vietnamesischen Restaurant Sen.

Wanderweg im Deister
Wanderweg im Deister

2. Tag: Natürlich kannte ich den Begriff Saupark, das es aber ein so großes Denkmal ist, war mit nicht klar. Über breite Forstwege geht der Tag durch den unbekannten Saupark und den uns bekannte Osterberg nach Salzhemmendorf. Es gibt viele Einkehren, z. B. an der Holzmühle mit einem Beach-Dingsi oder der Sennhütte mit den mächtigen Käse-Spätzle. Auf dieser Tour wird man schön durch die Wege eingelullt und muss dann aufpassen, wenn sie recht unspektakulär angekündigt abgehen. Über das Gut Voldagsen trifft man auf den Ith. Es ist eine lange Tour, müde kommen wir ins Quartier und treffen dort auf die allgegenwärtigen Kletterer. Das Hotel ist gut, das Essen O.K., das Bier fantastisch. Und das alles bei blendendem Wetter.

3. Tag: Die Tour nach Alfeld ist komplett mit dem Ith-Hils-Weg identisch und daher der Höhepunkt. Leider stimmen hier die GPS-Daten noch weniger als sonst, dafür ist die Wegmarkierung makellos. Die Wegführung ist sehr abwechslungsreich, man geht hinter Salzhemmendorf hoch zum Kantstein, weiter über den Kammweg, an Klippen vorbei, an Auen, lauschigen Bächen und letztlich an Höhlen vorbei. In Alfeld könnte man noch bleiben und die Fagus-Werke von Walter Gropius besichtigen. Wir sind am einem Dönerladen  eingekehrt, der hinter den Supermärkten am Bahnhof lag und haben den nächsten Zug zurück genommen. Solche Dönerläden sind ja super, blöde Lage, alle kommen hin und die Leute sind nett. Gute Sache, das.
Gute Sache auch das Wetter, das trotz aller Hitze ohne Gewitter auskam.

Kurz: Wer in und um Hannover wohnt sollte diese Tour mal machen, um die Gegend kennenzulernen. Allen anderen will ich diese Tour aber nicht verbieten.

Hier gibt’s unsere Planung als pdf-Dokument.

 

Einsteigertipp: Packliste erleichtern

Der offizielle Start der Wandersaison 2019 steht hier grad erst bevor, mit dem E1 von Flensburg nach Hamburg wird ein ganz neues Abenteuer. Neben der Etappenplanung und Quartierreservierung muss auch die Packliste überprüft werden. Vor allem bei der Wanderbegleitung gibt es einen neuen Rucksack, erstmals wieder mit gebogenem Rücken (was aber zu entfernen ist und damit ein wunderbares Leichtgewicht), ein Vaude Citus 24LW. Dabei dachte ich besonders oft an die allererste Packliste für eine Mehrtageswanderung und damit kam die Frage: „Was wäre wenn?“. Was wäre, wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich heute weiß?

Damals™ war eigentlich alles dabei, was man braucht; aus Unkenntnis waren die einzelnen Gepäckstücke aber zu schwer und zu großvolumig. Als Reaktion auf den zu kleinen und zu schweren Rucksack kaufte ich also einen größeren Rucksack. Einfacher wäre es natürlich gewesen, den Inhalt auf die Probe zu stellen und Gepäck zu reduzieren.

Die Grundlage war ein Deuter-Tagesrucksack mit ca. 22-25 Litern, vielleicht mit diesem vergleichbar. 900g sind schon recht leicht, aber man ist in Kapazität und Tragbarkeit begrenzt. Eingepackt war nur wenig: eine Unterhose, ein Poloshirt, Socken, Regenjacke und -hose, eine Kulturtasche mit Inhalt, ein paar Snacks und eine Wasserflasche. Außerdem die Geldbörse, Schlüssel und Telefon. Am Körper war eine Jeans, ein Wanderhemd, T-Shirt, Socken, Unterhose, Fleece-Jacke und Wanderschuhe (s. Bild).
Natürlich hätte man, ähnlich wie der größere Rucksack, alles neu kaufen können; aber auch ohne große Ausgaben kann man sich deutlich erleichtern:

  • Die Jeans trug ich, weil ich nur eine Zip-Wanderhose hatte, der Reißverschluss nervte aber. Ab zum Änderungsschneider, Reißverschluss raus, zack war da eine Superhose.
  • Statt der Fleece-Jacke hatte ich auch einen Fleece-Troyer im Schrank. Viel leichter, besseres Packmaß.
  • Schuhe. Altes Thema, fast immer zu dick und zu schwer. Auch hier wäre die Alternative Trailrunner im Schrank gewesen.
  • Statt Baumwoll-Polo wäre eines aus Kunstfaser vorhanden gewesen. Leichter, schneller trocknend.
  • Die Unterhose wäre ebenfalls mit KuFa-Anteil vorhanden gewesen. Schneller trocknend, abends schnell waschen und man spart einige Buxen.
  • Geldbörse aus Leder mit allen Karten. Was für ein Anfängerfehler. Schlüssel mit Anhänger. Ts.
  • Die Flasche aus Alu. Leichtere PET-Flasche hätte gereicht.
  • Rucksack-Regenschutz, leider undicht. Das hätte auch ein Gelber Sack als Wasserschutz innen besser gekonnt.

Einen eigenen Absatz verdient das hier: Die Kulturtasche aus LKW-Plane. Mit dem Elektrorasierer. Und dem Rasierwasser in der Glasflasche. Und dem Deo in der Glasflasche. Da helfen auch nicht die Reisegrößen für Shampoo, Duschgel und Reisewaschpulver. Klingt beim Lesen schon etwas… ungewöhnlich.
Da reicht natürlich ein ZipLock-Beutel oder ein leichter Packsack mit ca. 1L Volumen. Ein Deostick aus Plastik, Rasierwasser in eine kleine Dropper-Flasche umgefüllt (Drogeriemarkt oder alte Augentropfenflasche), ein Nassrasierer (2-Klingen) mit Rasiercreme, natürlich umgefüllt hätten viel Ersparnis gebracht und kaum Kosten verursacht (weil alles vorhanden).
Statt Regenzeug hätte an den zwei sonnig angekündigten Tagen ein Taschenschirm gereicht. Letztlich hätte man die Aluschienen aus dem Rucksack entfernen können.

All das hätte locker 2-3 Kilo gespart und ca. 30,- Euro gekostet. Damit wäre die ganze Wanderung erheblich leichter gefallen, zumal die aktuellen Packlisten sich doch deutlich annähern.

Und das Bild der ersten Wanderung hat langsam mal als Symbolbild auch ausgedient.

Wandermythen: Schnürung

„Wenn du einmal deine Schuhe ordentlich geschnürt hast, dann löse die Senkel den restlichen Wandertag nicht mehr!“

Bam! Das ist doch mal eine Ansage. Woher ich das weiß? Ich habe keine Ahnung, aber irgendwie ist es tief im Wanderwissen verankert. Wahrscheinlich ist es uraltes Wanderwissen; so alt, dass es nicht in Zweifel gezogen werden darf. Und so alt, dass es aus Zeiten stammt, wo empfohlen wurde, die Wanderstiefel mit einer bestimmten Körperflüssigkeit zu benässen, um das Leder, aus dem sie in liebevoller Handarbeit gefertigt wurden, so weich zu machen, dass sie sich nahtlos an den Fuß schmiegen.
Also zieht man sich den schweren Lederstiefel über den dick gestrickten Wanderstrumpf, wichst alles vorher schön mit Bienenwachs ein, um es wasserdicht zu machen und schwitzt solange bei sommerliche Temperaturen, bis dicke Blasen aufplatzen und sich in den Strumpf ergießen. Ordentlich zurren an den Schnürsenkeln, bis die Finger knacken und dann mit Spezialschleife verschließen.

Klingt nicht richtig nach Spaß, oder?! Wenn man „dem Internet“ oder „dem Outdoorladen™“ glaubt, passiert das aber regelmäßig, trotz der Entwicklung der Schuhhersteller. Leder hat sicherlich nützliche Eigenschaften und mit Plastikschuhen trägt man auch nicht automatisch zum Erhalt des Weltklimas bei. Das ist aber ein anderes Problem, das ich hier nicht ausführen möchte.
Hier geht es drum, zu hinterfragen, ob alle Mythen zum erholsamen Wandern beitragen und da bin ich gedanklich auf der Almwiese mit dem Bach, nach zwei Stunden hartem Abstieg und der verlockenden Kühle des Baches. Da ist mir egal, ob die Schuhe neu geschnürt werden müssen und ehrlich, da sind mir sogar die Schuhe egal.
Ob Leder oder GoreTex, Trailrunner oder Stiefel, Barfußschuhe oder… was weiß ich, ihr müsst in den Schuhen lange laufen können. Mehr nicht. In den Hochalpen braucht man dann etwas mehr als die Joggingschuhe, klar. Die Füße werden im Lauf des Tages dicker, weiß ich, danke, und auch wärmer und deshalb verändert sich auch die Passform des Schuhs. Weiß ich alles, danke.

Trotzdem ist es ein großartiges Gefühl, den Fuß im Sommer zu lüften. Trotzdem ist es ein großartiges Gefühl, den Fuß auf einer Wanderung in den Bach zu stecken. Und: Wer froh ist, endlich den Schuh am Ende des Wandertages ausziehen zu dürfen, hat den falschen Schuh. Das hat mit der Schnürung gar nichts zu tun.

Apropos falsche Schuhe. Der typische Outdoorladen möchte natürlich nicht, dass man so ganz ohne Schuh den Laden verlässt, auch wenn man sich in allen dort erhältlichen Modellen unwohl fühlt. „Das passt sich mit der Zeit an.“, ist dann ebenso ein Unsinn wie: „Das muss man nur passend schnüren!“. Meindl-Schuhe z. B. passen mir nie, ich schlupf immer aus der Hacke. Damit möchte ich keine 10 Meter laufen, trotzdem musste ich mir diese Quatschsätze wieder und wieder anhören.

Am Ende bleibt es halt doch wieder nur unserem Gefühl überlassen und nicht dem, was als ungeschriebenes Gesetz gilt. So, nu‘ aber raus und die Füße in den Bach halten.

Wandermythen: Stirnleuchte

Wanderer in den Mythen gibt es allerlei und in den Märchen natürlich auch. Doch ob Griechen oder Gebrüder Grimm sind es vor allem Reisende, die per pedes unterwegs sind und vor allem mangels Auto. Heute sind wir meistens aus Spaß auf Schusters Rappen unterwegs, zudem hat sich die Ausrüstung stark weiterentwickelt. Zeit also, einige Überbleibsel der alten Zeit auf die Probe zu stellen.

Es muss wohl bei einem Besuch in einem der einschlägigen Foren gewesen sein, als ich dachte: „Was für ein Unsinn.“

Da fragt eine Person nach Wanderausrüstung für eine kurze Tour im Mittelgebirge bei feinstem Wetter und bekommt eine passende Antwort. Kurz darauf tummeln sich die in Forenkreisen bekannten Obertopcheckerbunnies und verkünden, dass man mit dieser Empfehlung sicher dem Untergang geweiht sei, da war doch neulich erst jemand auf genau diesem Pfad mit genau diesem Mangel fast beinah um’s Leben gekommen. Die beratene Person lenkt darauf ein und kauft den Gegenstand mit dem größten Sicherheitsversprechen. So geschieht es wohl täglich und einer der umstrittenen Gegenstände, die täglich Leben retten ist die Stirnlampe. Doch genug der Ironie.

Die Stirnlampe hat beim Wandern ihre Funktion, vor allem, wenn man zeltet. Vielleicht wandert man bis in die Abendstunden und muss das Zelt im Dunklen aufbauen, vielleicht muss man nachts mal raus und den Weg zur Toilettenanlage finden. Vielleicht nächtigt man auch in einer Hütte und neigt zum regelmäßigen nächtlichen Harndrang. All das sind gute Gründe, eine Stirnlampe einzupacken.

Wenn man nun aber nicht zeltet, sich auf einer Etappentour befindet mit vorgegebener Kilometerzahl; wenn man nicht zu Verlaufen neigt, weil die Beschilderung des Wegs ausgezeichnet ist und im Quartier die Möglichkeit besteht, den Rucksack komplett auszupacken und für den Toilettengang das Licht einzuschalten, dann – ja, braucht man dann wirklich die Stirnleuchte?

Die schlauen Outdoorhandbücher sagen ja, der Forenobertopcheckerbunny auch, bei den Outdoorshopverkäufern riet man mir ab und ich habe bis heute keine Leuchte vermisst. Weder im Winter, als ich bei Dämmerung im Wald kam und mir die Handyleuchte für zwei Kilometer an Abzweigungen Licht spenden musste, noch auf den Hütten, wo es in den Morgenstunden schon wieder hell genug ist, um den Rucksack zu packen oder ich, ebenfalls mit durch die Hand gedämpfte Handyleuchte, ins Bett fand.

„Es sind doch nur 100 Gramm!” (oder so, ich kenne nicht mal die Gewichte von Stirnleuchten), mag man einwenden, aber die kann man getrost sparen. Glauben sie mir, sie werden das Mittelgebirge auch ohne Stirnlampe überleben.

Packlistengedanken 2019

Hier wird grad schon recht viel über Ausrüstung geschrieben, nein?! Wahrscheinlich ist es aber natürlich, dass sich beim Wandern regelmäßig die Ideen zur Packliste ändern, schließlich ist ja keine Tour gleich und in den Alpen benötigt man halt was anderes als im Mittelgebirge, der Winter braucht andere Ausstattung als der Sommer. Diesen Sommer soll es auf den deutschen Teil des E1 gehen, von Flensburg nach Lübeck, da kann man schon mal die Packliste anpassen.

Seit unserem Fernwanderbeginn 2015 wurde die Packliste vor allem durch Weglassen leichter, Neuanschaffungen waren vor allem gewichtsorientiert ausgesucht. Wales brachte die sympathische – und mir entgegenkommende Erkenntnis –, dass man auch Eleganz mit in die Waagschale werden kann. Bei Durchsicht der Fotos für dieses Blog gefiel ich mir selbst nämlich nur selten; Grund genug, daran etwas zu ändern.
2018 brachte daher einige entscheidende Änderungen:

  • Halbschuhe: Ja, schwere Stiefel haben ihre Berechtigung, z. B. wenn man viel Gepäck trägt und zum Umknicken neigt. So, wie ich wander, reichen aber Zustiegsschuhe, auch in den Alpen bis 3000m; mit leichtem Gepäck, stabilen Bändern und außerhalb der Gletscherregionen kommt man mit einfacheren Schuhen klar.
  • Einfacher Rucksack: Mein erster UL-Rucksack war eine Salomon Trail-Running-Weste mit 30L Fassungsvermögen. Ein guter Einstieg, weil ich zu der Zeit vieles im Trail-Running-Bereich gut fand, er sieht aber mit den Flaschen vor der Schulter und dem krummen Rücken etwas komisch aus. Außerdem hatte sich der Inhalt so verkleinert, dass auch ein kleinerer Rucksack reichen muss. Dies ist nun ein Haglöfs L.I.M lite 25, ein einfacher Rucksack mit Deckel. Haglöfs könnte den ruhig mal in einer 15L-Variante anbieten, da wäre ich ein geeigneter Abnehmer.
  • Einfache Regenkleidung: Viele Reißverschlüsse an einer Jacke sind sind toll, aber auch schwer. Für die Hose war der durchgehende Reißverschluss nicht mehr nötig, sie war auch am Knie nicht mehr dicht. Die Regenjacke zog Wasser über die Bündchen, auch das störte mich. Mit einer einfachen Regenhose ohne Reißverschluss am Bein und einer einlagigen Regenjacke konnte das Gewicht deutlich reduziert werden und beide hielten zumindest leichten Regen und einigen Wind ab. So ganz traute ich ihnen aber nicht (s. unten bei 2019).
  • Dezente Farben und schlichte Schnitte: Navy und dunkelgrau; Chinos, Poloshirts und Troyer (aus Kunstfaser). Keine unnützen Reißverschlüsse und Taschen; Classic Sportsware, Sportsfreund (und -in)!
  • Die Renaissance der Baumwolle: Baumwolle ist ja die Todsünde der Trekkingausrüstung. Verständlich, wenn man an Jeans oder Hoodies denkt. Die sind schwer, schlecht mit der Hand zu waschen und brauchen lange zum Trocknen.
    Nach Versuchen mit KuFa- bzw. Merinounterwäsche ging ich zurück auf den Hersteller, von dem auch meine Alltagsunterwäsche ist. Bei Calida weiß ich, dass nichts kneift, kratzt, schlackert oder ausleiert. Neben Baumwolle ist in der Unterwäsche auch ein Kunstfaseranteil; so trocknet sie schnell nach dem Waschen. Der Vorteil ist, dass ich bei Fehlkäufen oder wenn die Wäsche verbraucht wirkt, einfach für die nächste Tour neue kaufe und die alte Ware im Alltag aufbrauche.
    Auch bei Socken habe ich ein Paare aus Bauwolle, z. T. mit Silberfäden, die den Geruch stoppen sollen. Auch dabei bleibe ich bei meinen Lieblingsmarken Falke und Rohner.

Und 2019?

  • Schuhe: Inzwischen trage ich alltags fast nur noch Minimalschuhe, das Frühjahr soll die Entscheidung bringen, ob ich auch zum Wandern auf Barfußschuhe (eigentlich ist Minimalschuhe richtig!) umsteige oder mich nur bis zu Trailrunnern traue. Leichter wird’s so oder so.
  • Regenbekleidung: Der WSV hat noch mal Gewicht aber leider kein Geld gespart. In den Rucksack kommen nun eine Berghaus Hyper 100 Regenjacke (91g) und eine The Omm Halo Regenhose (82g).
  • Baumwolle: Auch hier brachte der WSV Neuigkeiten. Statt Polo gehe ich doch wieder zum Wanderhemd, Bergans (aber auch andere Hersteller) kombinieren Kunstfaser mit leichtem Baumwollanteil, das sieht dann einem Alltagshemd sehr ähnlich.
  • Schal: Eigentlich mag ich keine Schlauchtücher. Die ohne Fleece haben bei mir keinen Effekt, da sie um den Hals zu weit sind, die mit Fleece sind eigentlich immer zu warm. Doof an- und auszuziehen sind sie außerdem. Warum also keinen Schal nehmen? Im Winter trag ich immer welche aus Wolle oder Polyester, im Sommer solche aus Baumwolle oder Leinen. Besser anzuziehen sind sie allemal, vor allem abends, wenn man noch ausgeht.
  • Skinners: Bisher kommen Nomaquito Aquaschuhe als Abendschuhe in den Rucksack, eine Neuentdeckung sind Skinners, Socken mit Laufsohle darunter. Würde noch mal 40g sparen und stelle ich mir praktisch vor.

Wie das alles wirklich aussieht, kann man dann im Herbst 2019 lesen, wenn der erste Abschnitt des E1 gemacht ist.

Eleganter Wandern leicht gemacht

Dieses Jahr steht der Fernwanderweg E1 auf dem Programm und zwar der Abschnitt von Flensburg bis Lübeck. Bei Recherchen stieß ich auf das Blog CoolWalking. Dort gefiel mit besonders, dass die Betreiberin Pia sich mit Wandern in Style beschäftig hat, eine Sache, die auch mir beim Wandern wichtig ist.

Einen ersten Eindruck, mit wie wenig man unterwegs sein kann – und wieviel eleganter das wirkt – bekam ich auf dem Eifelsteig. Ein älterer Herr begegnete uns auf einigen Abschnitten immer wieder; im Gespräch klärte sich, dass er nicht den Gepäckservice nutzte, sondern wirklich alles 25L-Rucksack verstaut hatte. Er war halt erfahrener Wanderer und hatte nur Wechsel-(unter)-Wäsche, Regenkleidung und einen kleinen Kulturbeutel dabei. Wobei die Betonung auf dem Wort Beutel liegt. Das war beeindruckend.

Mit weniger Gepäck auf den Alpenüberquerungen bemerkten wir genau das Gegenteil der Eifel-Erfahrung. Auf den Hütten erlebt man Menschen und ihr Gepäck hautnah und trifft auf die Vollausstattung der Outdoor-Shops, Kultursäcke voller Shampooflaschen, Rasierapparaten und Stylingprodukten; man sieht Menschen auf Laptops Serien gucken, man sieht die vollgehängten Werkzeuggürtel und man sieht Leute, die bei Sprühregen nicht nur Regenhose und -jacke tragen, sondern noch über der Rucksackhülle den Poncho haben und mit einem Schirm hantieren. Klingt übertrieben, nicht wahr?! Aber auch das hat mich beeindruckt, nur in anderer Weise.

Mit noch weniger Gepäck, in Wales, bekam ich einen ersten Eindruck, wie stilvoll man Wandern kann, weil ich Menschen begegnete, die zum Wandern einfach ihre Golfkleidung trugen (was mich gleich zu einer Typisierung von Wandermenschen veranlasste). In schlichter Hose und im Polo, in gedeckten, klassischen Farben und mit großer Freude darüber, dass man endlich seine teure Regenkleidung nutzen könne, haben mich diese Leute sehr beeindruckt.

Offensichtlich ist, wie sehr mich die Sparmöglichkeiten am Gepäck beeindruckt haben; das war die Grundlage mich mit dem Ultralight Trekking zu beschäftigen.
Obwohl UL-Trekker gerne mal schneller wandern, als ich es tue, dabei gerne mal Running-Sachen tragen und vor allem oft naturnäher mit Zelt und Zeug unterwegs sind, ist doch auch für mich Etappen-Wanderer mit Quartieranspruch etwas dabei. Denn generell sind kleinere, leichtere Rucksäcke, schmalere, leichtere Schuhe und schlichter geschnittene Hosen eleganter und nicht nur leichter. Die Kleidung kann schnell viel näher an der Alltagskleidung orientiert werden und ist schnell viel restauranttauglicher. Der größte Lerneffekt vom UL ist aber, dass ich nicht mehr alles glaube, was das allgemeine Outdoorwissen (und vor allem die Outdoorindustrie) so hergibt. Man kann nur in schweren Stiefeln gut wandern, weil sie besser abrollen. Nee, is‘ klar!

Meine persönlichen Konsequenzen in der Packliste sehen so aus:

  • Mit schwindendem Gepäck wurde der große Rucksack sehr leer, der nächste war nicht nur kleiner, sondern auch ohne großartiges Tragesystem. Als dieser zu leer ward, kam ein Rucksack ohne Bauchgurt. Das geht, weil man gar nicht mehr so viel Gewicht auf die Hüfte bringen muss. Auf- und Absetzen geht damit deutlich schneller, man bollert in Läden nicht mehr überall gegen, ich kann es nur empfehlen.
  • Der Golfer, ich erwähnte es ja bereits. Vor allem fand ich Gefallen an Chinos, die es im Golfsport gibt, dazu KuFa-Polos und Zip-Pullover. Schicki! Die Chinos haben innen oft ein Silikonband, das verhindert runterrutschen der Hose am Berg. Außerdem ist sie frei von unnützen Taschen.
  • Gut am Golfsport ist auch, dass man Kleidung in dunkelblau bekommt. Dazu kann man allerlei kombinieren, Grautöne z. B. oder Orange, Rot, Weiß, …
  • Ein großer Gewichtsfaktor beim Kulturbeutel ist oft der Beutel selber, Reisegrößen zu verwenden ist so logisch, dass ich es kaum erwähnen mag. Höchstens noch, dass auch andere Flaschen zur Aufbewahrung von Shampoo und ähnlichem geeignet sind (Reise-Mundwasser hat eine gute Größe, Babycremedosen auch). So reicht oft eine kleine leichte Tasche mit weniger als 1L Inhalt. Es taugen ZipLoc-Beutel genauso, wie meine kleine Giftgrüne (13g) aus dem Outdoorshop. Statt E-Rasierer rasier ich mich nass, mit Rasiercreme. Rasierwasser ist ein großer Luxus, man kann es in kleine Drop-Bottles umfüllen; 10ml reichen für drei Wochen.
  • Früher hatte ich Wandergürtel, dünne Nylonbänder mit Geheimfach, wofür auch immer. Die waren dünn, weil ja die Flossen vom großen Rucksack sonst auftrugen. Jetzt trage ich meinen Alltagsgürtel, der nicht rutscht und richtig sitzt und die Flossen, na, ja, welche Flossen?
  • Keine Botten mehr! Halbschuhe, z. B. Scarpa Mojito hatte ich lange, grad probier ich Minimal- (bzw. Barfuß-) Schuhe aus. Nur im Hochgebirge ist es etwas schwieriger, aber da wandere ich auch nicht.
  • Neu ist die Überlegung, einen Schal statt der Schlauchtücher zu nutzen. Ich bin recht empfindlich am Hals und Verspannungen oder Halskratzen macht Wandern nicht sonderlich angenehm. Buff oder H.A.D. machen zwar nette Sachen, aber die normalen Tücher sind mir ein wenig zu weit, die mit Fleece gefütterten finde ich nicht so variabel wie einen ordinären Schal. Grad im Winter ist er auch besser anzuziehen, wenn man das Quartier noch mal verlässt. Für den Sommer besitze ich eh‘ schon eine Kollektion von Baumwollschals und die werden jetzt endlich mal ordentlich genutzt.
  • Portemonnaies aus Leder zu verwenden ist natürlich möglich, aber schwer. Die großen Rucksackhersteller verkaufen gerne Outdoorgeldbörsen mit allerlei Geheimfächern. Groß, schwer und unpraktisch fand ich die. Nur ein Ziplockbeutel soll es aber auch nicht sein. Paprcuts bietet leichte Portemonnaies aus Tyvek, gut (und ähnlich leicht) ist eine einfache Tasche aus Kreta, wie man sie auf den Touristenmärkten kaufen kann.

Seit ich diese Dinge beherzige macht mir Wandern noch mehr Spaß und darum geht es ja letztlich. Wer „richtig“ Wandern will, der soll es tun; für alle, die eher ausgedehnte Spaziergänge vor Augen haben, ist vielleicht die ein oder andere Anregung dabei. Cheers!

Ja, das ist der dritte Versuch für diesen Artikel.